Aus: Ausgabe vom 18.04.2017, Seite 4 / Inland

Datenhunger der Vermieter

Wohnungssuchende müssen häufig mehr von sich preisgeben als zulässig

Von Claudia Wrobel
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»Mieterinnen und Mieter gerade in Ballungsgebieten fühlen sich aufgrund der angespannten Wohnraumsituation genötigt, Informationen preiszugeben, die teilweise weit über das erforderliche Maß hinausgehen« – Helga Block, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen.

Bonitätseinstufung, Einkommensnachweise, Personalausweiskopien – Mietinteressenten sind es mittlerweile gewohnt, Wohnungsinhabern Einblick in ihre Daten zu gewähren. Die Landesbeauftragte für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen erreichen nach eigenen Angaben immer mehr Beschwerden über umfangreiche Daten­erhebungen. »Mieterinnen und Mieter gerade in Ballungsgebieten fühlen sich aufgrund der angespannten Wohnraumsituation genötigt, Informationen preiszugeben, die teilweise weit über das erforderliche Maß hinausgehen«, erläuterte Helga Block, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen. Bei der Überprüfung von mehr als 40 Immobilienmaklern und Wohnungsgesellschaften blieb so auch keine ohne Beanstandung, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte.

Der Schwerpunkt der Überprüfung lag auf Formularen zur Mieterselbstauskunft. Diese lassen Eigentümer häufig bereits ausfüllen, wenn Interessenten eine Wohnung besichtigen wollen. Generell gilt, dass dies erst zulässig ist, wenn – nach Inaugenscheinnahme – ein ernsthaftes Interesse an einer Anmietung besteht. Doch auch dabei sind etliche Vermieter neugieriger als erlaubt. So geht etwa die undifferenzierte Forderung nach einer Bonitätsauskunft zu weit, da diese häufig Kategorien enthalten, die einen potentiellen Vermieter nichts angehen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass nur nach Informationen gefragt werden darf, die unmittelbar für den Abschluss eines Mietverhältnisses relevant sind. Problematisch bewertete die Behörde auch, dass viele Unternehmen kein Konzept zur Löschung personenbezogener Daten vorweisen konnten. So wurden sogar Daten von unberücksichtigten Bewerbern mehr als zehn Jahre gespeichert.

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