Aus: Ausgabe vom 15.04.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Gratulation an die »Deutsche«

Das Geldhaus konnte stolz verkünden, in Krisenzeiten keine Staatshilfe in Anspruch genommen haben. Bundesregierung wäre zur Hilfe geeilt

Von Lucas Zeise
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Deutsche-Bank-Chef John Cryan nimmt Glückwünsche von EZB-Präsident Mario Draghi entgegen (18. November 2016)

Die Deutsche Bank hat vor einer Woche von Alt- und Neuaktionären 8 (in Worten acht) Milliarden Euro eingesammelt. Da ist eine Gratulation fällig. Mit soviel Geld kann man schon etwas anfangen. John Cryan, der britische Vorstandsvorsitzende der immer noch bei weitem größten Bank Deutschlands, versprach die Rückkehr zur Expansion. »Wir wollen uns nicht gesundschrumpfen«, sagte er. Von »wollen« konnte auch schon vorher keine Rede sein. Aber geschrumpft wurde dennoch. Im vergangenen Jahr erlebte die Bank eine Krise, die sie in ihrer Existenz bedrohte.

In den USA und Britannien wurden der Bank Strafen aufgebrummt für Vergehen, die noch aus der Zeit vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 stammten. Die Deutsche Bank hatte sich an der Konstruktion der Wertpapiere auf Basis von Hypotheken beteiligt und sie mit sattem Gewinn den Kunden – oft anderen Banken – verkauft. Weder war die Bank die einzige, die sich so betätigte, noch auch war sie die einzige, die bestraft wurde. Aber die Deutsche Bank war im Devisen- und Anleihemarkt in den USA (und damit weltweit) im Lauf der 20 Jahre zuvor eine richtig große Nummer geworden. Kurz nach Ausbruch der Finanzkrise war die Bank noch obenauf. Denn sie hatte die faul werdenden Hypothekenpapiere nicht ge-, sondern verkauft. Zu Recht konnte sich 2008, als Banken haufenweise über die Staatsbudgets mit Milliarden-Dollar- oder Euro-Beträgen gestützt wurden, der damalige Chef des Geldhauses, Josef Ackermann, rühmen, man selbst bedürfe keiner Staatshilfe.

Natürlich gab es Staatshilfe auch für die Deutsche Bank. So wurde ihr die Postbank, immerhin das Institut mit dem breitesten Filialnetz und den höchsten Einlagen, billig angedient. Auch war die Rettung der Hypo Real Estate (HRE) hilfreich, weil sie zu den Kreditkunden der Deutschen zählte. Aber ums Überleben ging es damals für die »Deutsche« nicht. Das kam erst ein knappes Jahrzehnt später. Die Profite schrumpften. Das Schrumpfen war allerdings keine Gesundungskur, sondern reiner Zwang. Die Bank wurde aus dem leicht schrumpfenden Markt für das Investmentbanking herausgedrängt. Unter dem Zwang der Verhältnisse wandte sie sich ein wenig dem deutschen Markt zu. Dass ihr das nicht gelang, konnte man gut daran erkennen, dass sie die Postbank an einen Meistbietenden verhökern wollte. Auch das ohne Erfolg.

Im Sommer vorigen Jahres nahmen die Spekulanten Witterung auf. War die Deutsche Bank noch kreditfähig? Die Frage wurde öffentlich gestellt, was einem Todesurteil nahekommt. Aber die Bank gibt es noch. Entscheidend war, dass sich auch herumsprach, dass der deutsche Staat fraglos zur Rettung bereitstehe. Kanzlerin und Finanzminister dementierten, dass sie sich überhaupt mit einer solch abwegigen Frage beschäftigten. Zugleich aber gab Wolfgang Schäuble seinen Widerstand dagegen auf, dass der italienische Staat die mittelgroße Bank Monte dei Paschi di Siena retten durfte.

Das eben ist Staatskunst: Mit einem Wink (Gnade für Italien) die wichtige Bank retten. Jetzt zahlen die Aktionäre gern, weil die Staatsgarantie im konkreten Fall erneuert wurde. Wir können ihnen versichern, dass diese Garantie auch nach der Bundestagswahl Bestand hat.

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