Aus: Ausgabe vom 06.04.2017, Seite 10 / Feuilleton

Recycling im Weltall

Von Thomas Wagner
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In 40 Jahren werden ich den Mars besiedeln, so sieht’s aus – Elon Musk bei einem Kongress im September

Die Raumfahrt erlebte in der vergangenen Woche einen Durchbruch, und kaum jemand hat es bemerkt. Jedenfalls blieb das öffentliche Echo außerhalb von Expertenkreisen vergleichsweise gering. Offenbar ging es in der täglichen Nachrichtenflut einfach unter. Was war geschehen? Der private Raumfahrtkonzern Space X hat vor einer Woche erstmals eine Trägerrakete namens »Falcon 9« wiederverwendet und mit ihr einen Satelliten ins All geschossen. Anschließend landete die erste Antriebsstufe wieder auf einer schwimmenden Plattform im Atlantik. Die zweite Stufe der Rakete brachte den Satelliten »SES-10« in seine Umlaufbahn, von der aus er Signale nach Südamerika und Mexiko weiterleiten soll.

Elon Musk, der Gründer und Leiter des Unternehmens, bezeichnete den Einsatz als »unglaublichen Meilenstein in der Geschichte des Weltalls«. Musk ist der Tausendsassa unter den Milliardären aus dem Silicon Valley, die mit Firmen der Digitalbranche innerhalb weniger Jahre in die Riege der Superreichen aufgestiegen sind. Im Falle des 1971 im südafrikanischen Pretoria geborenen US-Unternehmers waren es die Gründung des Onlinebezahldienstes Paypal sowie des Elektroautobauers Tesla. Bei seinen Projekten geht es ihm um mehr als den bloßen Profit. Er will die Welt verbessern und die nicht zuletzt von Science-Fiction-Filmen wie »Star Wars« genährten Träume seiner Jugend verwirklichen. So hat er sich vorgenommen, noch selbst den Boden des Mars zu betreten und danach zur Erde zurückzukehren.

15 Jahre hatten die Entwickler seines 2002 gegründeten Raumfahrtunternehmens an der Wiederverwendbarkeit von Antriebsraketen gearbeitet. Das Unternehmen hatte 2012 als erste Privatfirma mit einer »Falcon 9« einen Raumfrachter zur Internationalen Raumstation ISS befördert. Das Hauptziel ist, die Raumfahrtmissionen durch die mehrmalige Verwendung von Raketen deutlich kostengünstiger werden zu lassen. Der Start einer solchen Rakete kostet Space X zufolge mindestens 62 Millionen Dollar (58 Mio. Euro). Eine erhebliche Kostenreduktion gilt als die Voraussetzung für die lange Zeit zurückgestellten Pläne der US-Weltraumbehörde NASA für die effiziente Erschließung und Kolonisation des Sonnensystems.

Die erste Stufe der jetzt erneut verwendeten Rakete war im April 2016 erstmals im All. Der jetzige Erfolg bedeute »eine riesige Revolution für die Raumfahrt«, sagte Musk. Bisher seien Antriebsraketen mit Flugzeugen vergleichbar, die man nach jedem Flug entsorge. »Wir haben bewiesen, dass etwas möglich ist, das viele Menschen nicht für möglich gehalten haben.« Der 45jährige Unternehmer denkt aber schon weiter: »Das nächste Ziel ist ein erneuter Start (einer Rakete) innerhalb von 24 Stunden.«

Die NASA twitterte: »Gratulation an Space X für einen erneut historischen Start.« In Russland, der anderen großen Raumfahrtnation, sieht man es ähnlich. Der erfolgreiche Neustart einer bereits gebrauchten Rakete in den USA sei ein technischer Durchbruch. »Das ist in der der Tat ein sehr wichtiger Erfolg«, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos, betonte er nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS, sei jedoch in der Lage, mit US-Unternehmen wie Space X zu konkurrieren. Auch russische Spezialisten arbeiteten an bahnbrechenden Neuerungen.

Derweil soll die bemannte Version einer von Space X entwickelten Weltraumkapsel bereits in diesem Jahr mit Astronauten in den Weltraum starten. Im kommenden Jahr sollen zwei Touristen damit den Mond umrunden.

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