• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 01.04.2017, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Quark-Mohn-Mousse

Quark-Mohn-Mousse

Von Ina Bösecke

»Engel« (USA 1937) von Ernst Lubitsch ist einer dieser Filme, in dem eine langjährige Beziehung durch das plötzliche Entflammen für eine andere Person in Gefahr gerät und die Frage beantwortet werden muss, ob man sich für Altbewährtes, aber nicht mehr so Frisches oder lieber für Aufregung, aber Ungewissheit entscheidet. Das scheint ein beliebtes Thema von Hollywoodfilmen der 40er Jahre gewesen zu sein. Heute kommt gar keiner mehr auf die Idee, in Liebesdingen auf lange Sicht zu planen. »Mein zukünftiger Exfreund« hieß ein schönes Lied zum Mitträllern von den legendären Lassie-Singers in den neunziger Jahren.

Maria Barker (Marlene Dietrich) fliegt von London nach Paris, um sich bei einer alten Freundin zu melden. Sie langweilt sich sehr, ihr Gatte ist auf Dienstreisen. Die Freundin betreibt einen Salon, in dem sich gern Leute einfinden, die Vergnügungen aller Art suchen. Maria hat ihren Namen ausgetauscht, nennt sich nun Mrs. Brown. Es ist also klar, dass sie hofft, irgend etwas Interessantes zu erleben. Anthony Halton (Melvyn Douglas) will sich einfach vergnügen und taucht deshalb auch im Salon auf. Durch Zufall werden Maria und Anthony in ein und dasselbe Zimmer komplementiert, sie lernen sich kennen, flirten ein bisschen und verabreden sich für den Abend in einem Restaurant. Man sieht sie erst wieder bei der Nachspeise (Rezept siehe unten).

Aus dem lockeren Spiel mit dem Feuer wird auf einmal Ernst. Der berühmte magische Moment ereilt die beiden. Sie verlieben sich und sind verwirrt. Die Frau will nun wegrennen, sie ist ja eigentlich glücklich verheiratet, der Mann verspricht den Himmel auf Erden. Man verabredet sich für die nächste Woche am selben Ort. Gibt es dann ein Treffen, steht der neuen Liebe nichts mehr im Wege. Und so weiter und so fort.

Der Film hat drei Probleme. Erstens spielt Marlene Dietrich wie immer – lässig, divenhaft, halbseiden, was nun mal nicht zur Geschichte passt. Zweitens kommt der berühmte magische Moment auch beim allergeneigtesten Zuschauer kaum rüber. Die große Liebe, man spürt sie nicht. Die armen Menschen der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die ja mehr an Romantik geglaubt haben sollen als wir Auf- und Abgeklärten von heute, sie sind wahrscheinlich erfroren damals beim Schauen des Films. Und drittens ist das Ganze viel zu langatmig geworden. Es ist schwer für einen Lubitsch-Fan, das zu begreifen.

Noch-nicht-Liebhaber und Immer-noch-Ehemann lernen sich übrigens kennen, ohne zu wissen, dass sie dieselbe Frau lieben. Wer kriegt sie nun? Herrjemine. Hier erst mal ein feines Rezept für ein französisches Dessert. Keine Mousse au Chocolat, sondern eine Quark-Mohn-Mousse: 250 g Magerquark mit 70 ml Mandarinensaft glattrühren. 50 g grob gemahlener Mohn, 80 g Puderzucker vermischen, unter die Quarkmasse rühren. 30 ml Mandarinensaft erwärmen, sechs Blatt Gelatine (kalt eingeweicht) gut ausdrücken, darin auflösen. Unter die Quarkmasse rühren. 200 g Sahne steif schlagen. Kurz bevor die Quarkcreme fest zu werden beginnt, die geschlagene Sahne unterheben, Mousse in Gläser oder Schalen füllen, kühl stellen.

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