Aus: Ausgabe vom 21.03.2017, Seite 16 / Sport

Autsch!

Von Marek Lantz
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Noch heißt das Stadion des VfR Aalen nach ihm: »Schrottkönig« Berndt-Ulrich Scholz (l.) im Sommer 2013

Kuriose Geschichten wurden in der »englischen Woche« der fußballerischen Drittklassigkeit geschrieben. Eine davon war die des Richard Weil. Der 29jährige, einst aus der Jugend von Eintracht Frankfurt hervorgegangen und inzwischen Abwehrchef des 1. FC Magdeburg, holte die Punkte für den aktuellen Tabellenzweiten in den vergangenen zehn Tagen mit seinen Elfmeterkünsten fast im Alleingang. Sein verwandelter Strafstoß war am Freitag vor anderthalb Wochen das einzige Tor im Spiel gegen Preußen Münster. Drei Tage später traf Weil dann beim 1:0 in Bremen in der Nachspielzeit ebenfalls vom Elfmeterpunkt. Was sollte da schiefgehen, mögen sich die FCM-Anhänger am Sonntag gedacht haben, als es im Heimspiel gegen den SV Wehen-Wiesbaden lange 0:0 stand. Und tatsächlich: In der 87. Spielminute deutete der Unparteiische auf den Punkt. Weil kam eilends herbei, den Eintrag ins ominöse Guiness-Buch der Rekorde vor Augen, schnappte sich selbstverständlich das Leder, schoss und – autsch! – scheiterte an Gästekeeper Markus Kolke. Es blieb beim torlosen Remis, und der FCM verpasste es, sich etwas von den Verfolgern abzusetzen.

Für mittelprächtige Aufreger sorgte in der englischen Woche auch der VfR Aalen. Sportlich läuft es derzeit großartig für den württembergischen Exzweitligisten. Man eilt von Sieg zu Sieg, gewann zuletzt am Sonnabend 2:0 gegen den FSV Frankfurt, holte damit binnen sieben Tagen alle möglichen neun Punkte und rückte auf den dritten Platz vor. Dort steht der VfR jedoch nur unter Vorbehalt. Denn nachdem der verschuldete Verein Mitte Februar einen Insolvenzantrag gestellt hatte, zog ihm der DFB-Sportausschuss neun Punkte ab. Der VfR hat Widerspruch eingelegt. Deshalb ist die Sanktion noch nicht rechtskräftig und in der aktuellen Tabelle noch unberücksichtigt.

Hintergrund ist ein Zerwürfnis zwischen der aktuellen Führung des VfR und Expräsident und -mäzen Berndt-Ulrich Scholz. Der »Schrottkönig« hat sich im vergangenen Jahr nach dem wirtschaftlichen Niedergang seines Recyclingunternehmens bei den Aalenern zurückgezogen, ist aber nach wie vor Inhaber der Namensrechte am städtischen VfR-Stadion (»Scholz-Arena«). Er habe dem Verein Schulden hinterlassen und entgegen mehrfacher mündlicher Beteuerung die Namensrechte am Stadion nicht freigegeben – so fasst das Hohenloher Tagblatt die Position der VfR-Führung zusammen.

»Das ist nicht mein Bier, da sind andere in der Pflicht«, zitierte die Lokalzeitung den arg in seinem Ego gekränkten 77jährigen Exindustriekapitän, der von einem »miesen Trick« spricht und der Vereinsführung vorwirft, mittels der eingeleiteten Insolvenz gleichermaßen Altschulden wie aktuell zu verantwortende Verluste loswerden zu wollen. Je nach Ausgang des Punktabzugsverfahrens – und damit zurück zum Sportlichen – steht der Verein in der immer noch kuschelig engen Drittligatabelle im Aufstiegs- oder Abstiegskampf.

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