Aus: Ausgabe vom 21.03.2017, Seite 2 / Inland

Wieder gemeinsam gestreikt

Arbeiter zweier Klinikservicegesellschaften protestierten vor Charité-Hauptsitz

Von Johannes Supe
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Mehr als 200 Beschäftigte zweier Berliner Klinikservicegesellschaften sind am Montag in den Streik getreten. Sowohl die Angestellten der Charité Facility Management (CFM) als auch jene der Vivantes Service Gmbh (VSG) waren von der Gewerkschaft ver.di zum Ausstand aufgerufen worden. Sie protestierten gemeinsam vor dem Hauptsitz der Uniklinik Charité, wo am selben Tag der Aufsichtsrat des Krankenhauses tagte. Die Beschäftigten verlangen, nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Diensts bezahlt zu werden, zudem fordern sie die Rückführung ihrer jeweiligen Unternehmen in den Mutterkonzern.

Bei beiden Servicegesellschaften handelt es sich um ausgegliederte Tochterfirmen. Die dort Beschäftigten transportieren beispielsweise Sterilgut, übernehmen Hausmeistertätigkeiten oder sind für die Patientenbeförderung zuständig. Während sowohl bei der Uniklinik Charité wie auch beim Gesundheitskonzern Vivantes Löhne auf dem Niveau des Tarifvertrags des öffentlichen Diensts gezahlt werden, liegen die Entgelte in den Servicegesellschaften deutlich darunter.

Mario Hunze, als Elektriker bei der VSG tätig, wandte sich an die Kollegen der CFM. Der gemeinsame Streik setze ein Zeichen gegen die Politik des Kaputtsparens und der Auslagerungen. »Pförtner braucht es in der Klinik, Pfleger, Therapeuthen und Ärzte auch. Aber die Geschäftsführungen von Tochterunternehmen, die braucht kein Mensch«, sagte Hunze.

Bereits am 1. März hatten die Belegschaften gemeinsam gestreikt, damals vor dem Sitz von Vivantes. Die Zusammenarbeit sei auch dringend notwendig, sagte Daniel Turek, Angestellter der CFM und Mitglied der ver.di-Tarifkommission, gegenüber junge Welt. Auch die Geschäftsführungen der Servicegesellschaften würden kooperieren – gegen ihrer Belegschaften. »Mittlerweile kriegen wir in Verhandlungen zu hören: ›Warten wir doch erstmal ab, was bei der VSG herauskommt‹«, so Turek.

Sowohl Vivantes wie auch die Charité gehören dem Land Berlin, die jeweiligen Tochterfirmen sind ganz (VSG) oder mehrheitlich (CFM) im Besitz der Mütter. An die Streikenden wandten sich die beiden Berliner SPD-Abgeordneten Lars Düsterhöft und Bettina König. Sie betonten, dass die Berliner Koalition aus SPD, Linkspartei und Grünen sich für den Abschluss von Tarifverträgen stark machen werde. König sagte: »Wir können euch hier nichts versprechen, außer, dass wir uns für euch einsetzen, dass wir an eurer Seite stehen«.

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