Aus: Ausgabe vom 20.03.2017, Seite 8 / Ansichten

Deutscher Scherzkeks des Tages: Bruno Kahl

Von Arnold Schölzel
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Ein Witz lautet: Geht ein Geheimdienstchef an die Öffentlichkeit. Der Nie-Öffentliche gibt Auskünfte? Eine Klangteppichwarteschleife im Callcenter ist auch nicht anders. Im Interview mit dem Spiegel scherzt Bruno Kahl, seit 1. Juli 2016 BND-Chef, z. B. so: »Wir haben kein Interesse, ins Privatleben der Leute einzudringen.« Ist das Gegenteil der Fall wie beim Abhören »befreundeter« Regierungen oder Journalisten, bleibt alles im Rahmen der »Bestimmungen«. Der BND ist genau dann eine rechtsstaatliche Behörde, wenn er aufs Recht pfeift. Er bekämpft den »Islamischen Staat« (IS) in Syrien? Im Prinzip ja, es sei denn, er hilft Dschihadisten mit Geld, Waffen und beim Grenzübertritt. Jetzt steht solch eine BND-»Quelle« in München wegen IS-Mitgliedschaft vorm Kadi? Kahl: Mitgliedschaft kann »eine Art Tarnung« sein. Kopfabschneiden sowieso, wenn es »unsere Leute« sind. Galt nach dem Zweiten Weltkrieg schon für die alten Kameraden im BND aus SS und Reichssicherheitshauptamt, vom SS-Spezialisten für Vergasung bis zum Gestapo-Folterexperten. Alles Getarnte.

In diesem Sinne: Krach mit Ankara? Aber nicht doch. Kahl: »Schon allein wegen der geographischen Lage der Türkei ist es klar, dass wir die Kanäle nicht zuschütten wollen.« Wer soll denn der syrischen »Opposition« beim Plündern, Giftgaseinsatz und beim Verbrennen lebendiger Gefangener helfen, wenn nicht BND und CIA und alle anderen von der Wertegemeinschaft? Ist aber die unverbrüchliche Freundschaft zur Türkei klargestellt, wird wieder gewitzelt. Erdogan schiebt den Putschversuch vom 15. Juli 2016 der Gülen-Bewegung in die Schuhe? Sagt der scherzende deutsche Herrenmensch: »Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen. Das ist ihr aber bislang nicht gelungen.« Und: »Der Putsch war wohl nur ein willkommener Vorwand.« Im übrigen droht der Cyberrusse. Über den alternative Fakten zu verbreiten, bleibt BND-Kerngeschäft.

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