Aus: Ausgabe vom 18.03.2017, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage

»Gegen den Krieg und für die Liebe«

Drei Generationen und drei Religionen: Esther Bejarano und die Microphone Mafia spielten in Kuba

Von Jochen Vogler/Andrea Hackbarth Rouvel
Konzert im Palacio de la Rumba in Havanna
Rappen mit Gästen im Palacio de la Rumba in Havanna
Treffen mit kubanischen Rappern in der Agencia Cubana de Rap
Empfang in der Gran Sinagoga y Patronata de la casa de la comunidad Hebrea de Cuba
Der bekannte kubanische Journalist und Blogger Jorgito mit seinem Vater beim Konzert in Camagüey
Abschlusskonzert im Garten des Instituto Cubano de la Musica
In der Synagoge
Exponate im Stadtteilprojekt des Künstlers Kcho
Auf dem jüdischen Friedhof in Guanabacoa am Mahnmal für die Opfer der Schoah

Im Januar waren Esther Bejarano und die Microphone Mafia eine Woche in Kuba auf Tour. Sie spielten in Havanna, Camagüey und Santa Clara. »Wir singen Lieder gegen den Krieg und für die Liebe«, sagte die 92jährige Holocaust­überlebende bei all ihren Auftritten. »In der Gruppe sind wir drei Generationen und repräsentieren drei Religionen: die jüdische, den Islam und das Christentum. Wir haben eine ausgezeichnete Kommunikation. Das ist etwas, was wir der Welt beibringen wollen. Ganz unterschiedliche Personen können eine gute Arbeit schaffen mit einem Respekt vor der Verschiedenheit, aber immer darauf konzentriert, das Gute und die Gerechtigkeit zu vertreten.«

In Kuba spielte sie mit ihrem Sohn, dem Bassisten Joram Bejarano und den beiden Rappern Kutlu Yurtseven und Rosario Pennino. »Wir sind schon eine große Familie, denn sie sind Antifaschisten wie ich.«

Sie kam aus Ulm und wollte Ende der 30er Jahre mit ihren Eltern nach Palästina auswandern, was durch den Kriegsbeginn verhindert wurde. Ihre Eltern wurden von den Nazis erschossen, sie spielte im Mädchenorchester von Auschwitz, wurde in das KZ Ravensbrück verschleppt und kurz vor Kriegsende auf einen Todesmarsch gezwungen, von dem sie fliehen konnte. Nach der Befreiung vom Faschismus zog sie in den jungen Staat Israel und kehrte 1960 nach Deutschland zurück.

In Havanna besuchte sie das Alphabetisierungsmuseum und ein Stadtteilprojekt des Künstlers Kcho. Auch wurde sie von der jüdischen Gemeinde empfangen. Sie besuchte das Holocaustmahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Guanabacoa, im östlichen Teil der Stadt. Anschließend erklärte David Prinstein, der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde, dass es auf der Insel keinerlei Antisemitismus gebe: »Kuba ist wahrscheinlich das einzige Land auf der Welt, in dem die Synagogen keines bewaffneten Schutzes bedürfen.«

Von den insgesamt vier Konzerten sang Bejarano auf dreien. Beim Abschlusskonzert im Garten des kubanischen Musikinstituts war sie wegen einer Erkrankung nicht mit dabei. Dieses Konzert wurde ein Jam der Microphone Mafia mit kubanischen HipHoppern wie Jimmy con Clase, DJ Reymel, La Vastida MC und Papa Flow MC, die die kubanische Rapagentur eingeladen hatte.

Text: Jochen Vogler, Fotos: Andrea Hackbarth Rouvel und Jochen Vogler

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