Aus: Ausgabe vom 18.03.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Glücklicher Prinz

Aramco, gemeinsamer Krieg in Jemen und Front gegen Iran: US-Präsident empfängt saudischen Thronfolger exklusiv

Von Lucas Zeise

Während Frau Yellen, die Vorsitzende der US-Notenbank, den Leitzins um einen viertel Punkt erhöht, pflegt ihr Präsident Donald Trump mit großer Sorgfalt und Umsicht die internationalen Beziehungen. Er speist zu Mittag mit Mohammed bin Salman (31), dem stellvertretenden Kronprinzen im Königreich Saudi-Arabien. Der junge Mann konnte sich gar nicht fassen vor Glück. Das entnahmen die Korrespondenten aus seiner Presseerklärung nach dem Essen. Das Gastmahl war zuvor nicht eingeplant gewesen. So erhielt Trump endlich einmal wieder kräftiges Lob, und das auch noch aus königlichem Munde.

Das saudische Königshaus versteht sich als Schutzpatron der heiligen Pilgerstätten in Mekka und damit auch als Schutzmacht für alle Moslems. Da ist es schon von Bedeutung, wenn der Vizekronprinz volles Verständnis für Trumps gezielte Sperre gegen die Einreise aus moslemisch geprägten Ländern äußert. Saudis waren von dem Verbot ohnehin nicht betroffen. Der Prinz hält es mit seinem Gastgeber für eine innere Angelegenheit der USA, wem sie die Einreise gewähren.

Wir wissen nicht, ob Trump dem Prinzen beim Mittagessen zu den großen Siegen der saudischen Streitkräfte im Nachbarland Jemen gratuliert hat, da gerade Unicef und die UNO darauf hingewiesen haben, dass im Jemen die Menschen nicht nur massenhaft unter den Bombardements der saudischen Luftwaffe leiden, sondern wegen des Krieges auch der Hunger im Land grassiert. Prinz Mohammed, der auch Kriegsminister ist, hatte in seiner noch jugendlichen Unbekümmertheit viel dazu beigetragen, dass sein Königshaus den Krieg im Jemen vom Zaun brach. Als Rechtfertigung diente der angeblich wachsende Einfluss des Iran im Jemen. Trump und Prinz teilten dieselbe Auffassung über die »expansionistische« Politik des Iran in der Region, teilten die Saudis nach dem Treffen mit Trump mit. Das Weiße Haus bestätigte, dass man gemeinsam über Maßnahmen nachgedacht habe, um den »destabilisierenden Aktivitäten des Iran in der Region« entgegenzutreten. Nur Benjamin Netanjahu dürfte ebenso glücklich über seine Erfolge bei Trump nach Hause gereist sein wie der saudische Prinz.

Letzterer hat aber mehr zu bieten als Israel. Zwar ist wegen der gesunkenen Erlöse aus dem Erdöl die Wirtschaft Saudi-Arabiens in keinem guten Zustand. Die Investitionen sind stark zurückgegangen, und das Wachstum ist unter ein Prozent gesunken. Gerade deswegen lädt Mohammed bin Salman mit großer Geste das US-Kapital ein, sich in seinem schönen Königreich an den Ressourcen zu beteiligen. Die »Aramco«, die mit dem »Am« das amerikanisch schon im Namen trägt, soll teilprivatisiert werden. Sie nennt die ergiebigsten Erdölquellen des Globus ihr eigen. An der New Yorker Börse kann das Papier notiert werden.

Es ist eine Lust, Geopolitik und zugleich große Geschäfte zu betreiben. Die strategische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA geht auf einen Deal zurück, den Franklin D. Roosevelt 1945 mit Mohammeds Großvater Abdulasis ibn Saud abschloss: Waffen und militärischer Beistand für Öl. Präsident Trump verfolgt – auch aus politischer Überzeugung – die ungebrochene strategische Linie seiner Vorgänger getreulich weiter.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er leitet als Chefredakteur die Wochenzeitung Unsere Zeit (UZ) der DKP

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • Deutsche Monopole sorgen sich um ihr Exportgeschäft. Schäuble will nichts gegen Handelsüberschüsse unternehmen, US-Finanzminister schon
    Simon Zeise