Aus: Ausgabe vom 18.03.2017, Seite 1 / Titel

Tel Aviv bombt für IS

Schützenhilfe für islamistische Terrorbanden: Israels Armee greift Ziele in Syrien an. Damaskus feuert zurück

Von Karin Leukefeld
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Kampf gegen die legitime Regierung in Damaskus (Israelischer F-15-Kampfjet bei einer Übung)

Nach Angaben des Generalkommandos der syrischen Armee haben vier israelische Kampfjets in der Nacht zu Freitag eine syrische Militärbasis bei Palmyra (arabisch Tadmur) in der Provinz Homs angegriffen. Um 2.40 Uhr seien die Kampfjets über Libanon nach Syrien eingedrungen und in Richtung der historischen Ruinenstadt geflogen. Dort hätten sie eine Basis der syrischen Streitkräfte bombardiert. Deren Luftabwehr habe auf den Angriff reagiert und eine der Maschinen über den von Israel besetzten Golanhöhen abgeschossen. Beobachtern zufolge handelt es sich um den wohl schwersten Zwischenfall zwischen Israel und Syrien seit Beginn des Krieges in dem arabischen Land vor sechs Jahren.

Die »israelische Aggression ist Teil der anhaltenden Unterstützung des zionistischen Feindes für die Terrorbanden des IS (des ›Islamischen Staats‹, jW)«, hieß es in der Erklärung der syrischen Armee. Angesichts ihrer Erfolge wolle Israel »die sinkende Moral« der terroristischen Organisationen heben. In Tel Aviv wurde bestätigt, dass Syriens Streitkräfte in Reaktion auf den Angriff mehrere Raketen auf Israel abgefeuert haben. Die israelische Luftabwehr hat Agenturmeldungen zufolge eine der Raketen abgefangen, Zivilisten seien nicht in Gefahr gewesen.

Seit der völkerrechtswidrigen Besetzung der Golanhöhen im Jahr 1967 und ihrer späteren Annexion befinden sich Israel und Syrien offiziell im Krieg. Die als UNESCO-Weltkulturerbe gelistete Ruinenstadt von Palmyra war Anfang März zum zweiten Mal von der syrischen Armee und deren Verbündeten zurückerobert worden.

Während des Krieges in Syrien hat Israel wiederholt zugunsten islamistischer Kampfgruppen, offiziell als »moderate Opposition« verklärt, militärisch eingegriffen. Auf dem Golan, um Damaskus und nun im Osten der zentralsyrischen Provinz Homs haben israelische Raketen und Kampfjets syrische Basen und Stellungen angegriffen und zerstört. Am 13. Januar traf es den Flughafen Al-Mesa im Westen von Damaskus, in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten.

Normalerweise werden die Angriffe von der Armeeführung in Tel Aviv weder dementiert noch bestätigt. Nun allerdings bestätigte sie sowohl die eigenen Angriffe als auch das syrische Abwehrfeuer. Der aus Damaskus gemeldete Abschuss eines israelischen Kampfjets wurde offiziell jedoch dementiert. Aus dem Norden Jordaniens wurde der Absturz eines »nicht identifizierten Objektes« gemeldet. Einsatzkräfte riegelten das Gebiet ab.

Die Sympathie der israelischen Regierungs- und Militärführung für die islamistischen Kampfgruppen in Syrien ist kein Geheimnis. Mehr als 1.000 ihrer Kämpfer, die die UN-Blauhelm-Mission und Bewohner vom syrischen Teil der Golanhöhen vertrieben hatten, wurden seit 2012 in israelischen Militärkrankenhäusern versorgt. General Herzl Halevi, Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, erklärte im Juni 2016 auf der israelischen »Sicherheitskonferenz« in Herzlija unverblümt, dass Israel den »Islamischen Staat« gegenüber der syrischen Regierung »bevorzugt«. Man wolle daher nicht, dass der IS in dem Krieg geschlagen werde. Wenn Syrien von den Islamisten eingenommen werde, sei das für Israel besser, als wenn sich dort eine Regierung halte, die mit dem Iran verbündet sei. Halevi begründete seine Ausführungen damit, dass sich die »Großmächte« bei einer Niederschlagung des IS aus Syrien zurückziehen müssten. Das aber würde Tel Aviv in eine »schwierige Lage« versetzen. Damit das nicht eintrete, denke das israelische Militär darüber nach, wie man den »Islamischen Staat« unterstützen könne. »Direkt« – nicht nur rhetorisch.

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