Aus: Ausgabe vom 07.03.2017, Seite 8 / Ansichten

Spitzbube des Tages: Romero Jucá

Von Peter Steiniger
RTSFKKK.jpg

Kaum einer verkörpert den Sumpf im brasilianischen Politikgeschäft so sehr wie er. Im nördlichen Bundesstaat Roraima, weit ab vom Schuss und vom Heute, hat er seit zwei Jahrzehnten ein Abo auf einen Sitz im Senat. Im Laufe seiner langen Karriere machte er sich allen Seiten dienstbar. Konsequent immer jener, die gerade am Drücker war. Das Wirtschaften in die eigene Tasche ist das ausgewiesene Spezialgebiet des studierten Ökonomen Romero Jucá. Sein Name ist so etwas wie ein Synonym für »finanzielle Unregelmäßigkeiten«. Ob Bauvorhaben, Indigenenbehörde oder Sozialfonds – wo die öffentliche Hand unter seiner Regie Gelder ausschüttete, fing auch Jucás unsichtbare etwas mit auf. Posten muss­te er räumen, doch seinen Platz am Spieltisch nie.

Nach einem Stühlerücken in Brasília wird die bewährte Kraft von der Partei der Demokratischen Bewegung nun Sprecher der Regierung von Michel Temer im Senat. Er folgt Aloysio Nunes Ferreira vom Konkurrenten und Koalitionspartner PSDB, der José Serra als Außenminister ersetzt. Serra führt gesundheitliche Gründe für seinen Rücktritt an, Kommentatoren halten Verbeugungen vor der US-Administration für die Ursache seines Rückenleidens. Auch Ferreira, vom selben Holz, wird auf sich achten müssen. Die Berufung von Jucá stärkt das Temer-Lager im Oberhaus. Als Temer im vergangenen Mai ans Ruder kam, machte er seinen Parteifreund sogleich zum Planungsminister, musste ihn aber nach nur neun Tagen wieder aussortieren. Ein Gespräch zwischen Jucá und einem Ölmanager, mit pikanten Details zu den Motiven des Putsches gegen die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei, war öffentlich geworden. Von einem nationalen Pakt, um den »Aderlass« zu stoppen, also die korrupten Kaziken vor der Justiz zu schützen, war die Rede. Für Temer soll Jucá nun auf die Kompresse achten.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Ansichten