Aus: Ausgabe vom 27.02.2017, Seite 5 / Inland

»Klare Ansage«

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Am Sonnabend demonstrierten mehrere hundert Menschen in Berlin-Kreuzberg gegen steigende Mieten und Verdrängung

Deutlich mehr als die erwarteten und angemeldeten 300 Personen haben am Sonnabend in Berlin-Kreuzberg gegen Gentrifizierung, also die Verdrängung angestammter Mieter durch Erhöhung der entsprechenden Kosten, protestiert. Das Bündnis »Zwangsräumung verhindern«, das zu der Demonstration aufgerufen hatte, sprach gar von bis zu 2.500 Teilnehmern. In den vergangenen Wochen war verstärkt Widerstand in dem Stadtteil artikuliert worden, weil unter anderem das traditionsreiche »Café Filou«, die Buchhandlung »Kisch & Co.« und das Projektehaus in der Lausitzer Str. 10/11 »Lause« akut gefährdet sind. Ihnen allen drohen stark erhöhte Mieten, die sich die Betreiber nicht leisten können, oder sie sollen die Immobilien, die als Spekulationsobjekt dienen, grundsätzlich verlassen.

Die Verdrängung der Gewerbeobjekte in Kreuzberg, einem Quartier, das früher für seine Widerständigkeit geradezu berühmt war, steht exemplarisch für eine umwälzende Veränderung der dortigen Mieterstruktur. Nachdem es zwar gegen Zwangsräumungen etwa im Jahr 2013 noch spektakuläre Proteste gegeben hatte, war es in der vergangenen Zeit eher ruhig geworden. Doch nun sind auch für die kommenden Wochenenden Kundgebungen vorgesehen. Außerdem soll am 21. März eine weitere sogenannte Kiezversammlung stattfinden, um die Proteste zu vernetzen. »Die Demonstration war auch eine klare Ansage an die Vermieter. Denn die Nachbarschaft in Kreuzberg wehrt sich entschlossen und gemeinsam gegen Kündigungen und Zwangsräumungen«, erklärte David Schuster vom Bündnis »Zwangsräumung verhindern« am Samstag abend.

Erfolge konnten mit den Protesten der vergangenen Wochen schon erreicht werden: Die Mieter der »Lause« können erst mal in ihren Wohnungen und Büros bleiben. Doch nach der Ankündigung des Internetkonzerns Google im November, in dem Bezirk seinen weltweit siebten Campus für Start-Up-Gründer zu errichten, haben die ohnehin hohen Immobilienpreise und Mieten in dem Umfeld noch einmal angezogen. (cwr)

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