Aus: Ausgabe vom 24.02.2017, Seite 8 / Ansichten

Papiertiger des Tages: US-Panzer in Polen

Von Reinhard Lauterbach, Poznan
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Als Anfang des Jahres mit großem offiziellem Jubel die ersten Soldaten einer US-amerikanischen Panzerbrigade in Polen begrüßt wurden, konnte es einem beim Blick auf die Karte schon auffallen: Alle Stationierungsorte der GIs liegen weit im Westen des Landes, in einem Streifen von maximal 100 Kilometern östlich von Oder und Neiße. Böse Zungen ätzten schon damals, die US-Truppen sollten nicht Polen schützen, sondern die deutsche Ostgrenze. Im Ernstfall würden sie schleunigst »nach Deutschland abhauen«. Das Trauma von 1939, von den Verbündeten im Stich gelassen worden zu sein, schwang da mit; es lag nahe, solche Äußerungen polnischer Befindlichkeit zuzuschreiben und nicht weiter ernst zu nehmen.

Doch jetzt hat diese Auffassung Unterstützung aus berufenem Munde gefunden. Ein pensionierter stellvertretender Generalstabschef, Leon Komornicki, erklärte gegenüber konservativen polnischen Medien, der militärische Nutzen der US-Truppen für Polen sei gleich Null. Ihre »Abrams«-Panzer seien zu schwer und zu hoch. Wenn sie über eine Brücke führen, drohe diese einzustürzen, unter einer polnischen Standardbrücke kämen sie nicht hindurch. Und durch die Tunnel der polnischen Bahn könnten sie aus demselben Grund auch nicht transportiert werden – gut, man muss zugeben, dass es im weitgehend flachen Polen von denen so furchtbar viele nicht gibt.

Komornicki verriet noch, dass das Ganze eine fiese Kriegslist des Warschauer Pakts gewesen sei, dessen Generalstabsakademie er in den siebziger Jahren absolviert hatte: Das sozialistische Militär habe auf leichte und mittelschwere Panzer gesetzt – schon der berühmte »T-34« war so einer –, in der heimtückischen Erwartung, dass der Gegner im Falle eines Angriffs mit seinen schweren Panzern die eigenen Vormarschrouten ruinieren würde. Jetzt müssen sich die Denkpanzer (Thinktanks) der NATO etwas einfallen lassen.

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