Aus: Ausgabe vom 01.02.2017, Seite 7 / Ausland

Staatschef made in USA

Gambias neuer Präsident Barrow hatte für die Absetzung von Jammeh Hilfe aus Washington

Von Christian Selz, Kapstadt
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Mit einer ganzen Liste von Reformankündigungen ist Gambias neuer Präsident Adama Barrow am Samstag erstmals vor die Presse in der Hauptstadt Banjul getreten. Noch in dieser Woche will er sein Kabinett ernennen. Gleich die erste Nominierung – Barrow machte die Architektin seines Bündnisses, Fatoumata Jallow-Tambajang, zur Vizepräsidentin – erwies sich jedoch als problematisch. Die 67jährige soll der Verfassung des Landes nach zu alt sein für das Amt. Das allerdings ist bei weitem nicht die größte Herausforderung, vor der der neue Staatschef nun steht.

Mit seiner ersten Amtshandlung hat er das Wort »Islamisch« vor »Republik« aus dem Staatsnamen gestrichen. Barrow will vom alten Regime geschlossene Medienhäuser wieder zulassen und den Sicherheitsapparat neu organisieren. Gambias dringlichstes Problem ist jedoch ein finanzielles. Das Land ist hoch verschuldet, die Ausstände übersteigen bereits das Bruttosozialprodukt. Barrows Vorgänger Yahya Jammeh soll die Staatskasse geplündert haben, um sich selbst zu bereichern. Zudem hat in den letzten Wochen von Jammehs Amtszeit der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, die Tourismusbranche, schwer gelitten. Weil der Langzeitherrscher sich trotz seiner Niederlage bei den Wahlen vom 1. Dezember vergangenen Jahres geweigert hatte, die Macht abzugeben, war Mitte Januar eine Eingreiftruppe des westafrikanischen Staatenbunds Ecowas nach Gambia einmarschiert. Reiseveranstalter flogen Touristen aus, die Traumstrände des kleinsten afrikanischen Flächenstaates verwaisten.

Wenig überraschend verkündete Barrow bereits kurz nach seiner Vereidigung am 19. Januar daher, dass Großbritan­nien künftig Gambias »Partner Nummer eins« sein solle, und zwar »was Handel, Demokratie und gute Regierungsführung angeht«. Die damit verbundenen Hoffnungen sind klar: Gambia will die mehrheitlich britischen Urlauber möglichst schnell in seine Hotels zurücklocken und würde sich zudem freuen, wenn die EU ihre »Entwicklungshilfe«-Zahlungen, die unter Jammeh suspendiert worden waren, bald wieder aufnimmt. Ob der Vergleich, den Barrow im Gespräch mit britischen Journalisten kurz nach seiner Vereidigung zog, dabei hilft, sei dahingestellt: Er habe viel mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump gemein, erklärte Gambias neuer Machthaber, schließlich sei er ebenso ein Immobilienhändler ohne politische Erfahrung, der Jobs schaffen wolle.

Barrow und Trump verbindet sogar noch eine weitere Parallele, die einem Beitrag des US-Magazins Newsweek zu entnehmen ist. Das berichtete am Montag über die Rolle der US-amerikanischen Organisation Vanguard Africa in Barrows Wahlkampf. Mitgegründet wurde das Washingtoner PR-Büro, das es sich zum Auftrag gemacht hat, Oppositionspolitikern zu Wahlsiegen zu verhelfen, von einem gewissen Christopher Harvin. Und der wiederum fungierte zuletzt auch in den USA als Wahlkampfberater – für Trump. Harvin beherrscht sein Geschäft: Gemeinsam mit dem späteren zweiten Vanguard-Africa-Mitbegründer Joe Trippi, einem Strategieexperten der Demokratischen Partei, hatte er 2011 auch das Regime in Bahrain beraten, das Oppositionsproteste gewaltsam niederschlug. »Wir sind stolz auf die Arbeit, die wir dort gemacht haben«, sagte der Stratege nun Newsweek, schließlich habe man »einem wichtigen amerikanischen Verbündeten geholfen«.

In Barrow nun aufgrund seiner Berater einen reinen US-Vasallen zu sehen, wäre sicherlich übertrieben. Er dürfte vielmehr eine Art Versuchskaninchen sein. Denn wie die New York Times – wenn auch als Erklärung für das entschiedene Eingreifen der Ecowas – in einer Analyse vom Montag treffend feststellte: Barrows Gegenspieler »Jammeh war ein einfaches Opfer«. Der Langzeitherrscher hatte in der Region kaum noch Verbündete. »Er hat zu viele Leute verprellt«, zitierte die Zeitung den UN-Sondergesandten für Westafrika, Mohammed Ibn Chambas. Auch die äußerst geringe ökonomische und geopolitische Bedeutung Gambias machte die Absetzung des wegen Menschenrechtsvergehen und Korruption geächteten Herrschers einfach. Das erfolgreiche Austauschen des alten Despoten durch einen dem Westen wohlgesinnten Unternehmer könnte trotzdem schon bald als Blaupause auch für strategisch wichtigere Staaten benutzt werden. Trippi hat laut Newsweek jedenfalls schon 2008 für Simbabwes Opposition gearbeitet. Im kommenden Jahr wird dort gewählt.

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