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Aus: Ausgabe vom 26.06.2014, Seite 3 / Schwerpunkt

Erdgaslieferant Rußland

Aktuelle Daten der EU-Kommission zeigen die derzeitige Bedeutung Rußlands für die europäische Energieversorgung. Hintergrund: Die Gemeinschaft muß 53 Prozent ihres Energieverbrauchs durch Importe decken. Diskutiert wird meist über Erdgas. Von den 66 Prozent ihres Bedarfs, die die EU einführen muß, kamen 2013 gut 39 Prozent aus Rußland – mehr als aus jedem anderen Land. Norwegen folgte mit 34 Prozent auf Platz zwei, Algerien mit 14 Prozent auf Platz drei. Weitere Länder, etwa Katar oder Nigeria, lieferten Flüssiggas, wenn auch in deutlich geringerem Umfang: 2012 erreichten die Flüssiggasimporte insgesamt lediglich zwölf Prozent der EU-Einfuhr. Ihr Anteil steigt aber kontinuierlich.

Groß ist der russische Einfluß auch beim Erdöl, wenngleich Öl weniger pipelinegebunden ist als Gas und ein Öllieferant deswegen leichter durch einen anderen ersetzt werden kann. Von den 88 Prozent ihres Bedarfs, die die EU importiert, kamen rund 33 Prozent aus Rußland, elf aus Norwegen und – die Bedeutung des Landes für die europäische Energieversorgung wird oft überschätzt – acht aus Saudi-Arabien. Wegen des sanktionsbedingten Ausfalls des Iran und der bürgerkriegsbedingten Ausfälle in Libyen kam es letztes Jahr zu gewissen Problemen bei der Ölversorgung. Sie wurden nicht zuletzt von Moskau aufgefangen: Rußland lieferte etwa Deutschland im ersten Quartal 2014 zehn Prozent mehr Öl als im Vorjahreszeitraum.

In der EU stammen 34 Prozent der verbrauchten Energie aus Öl, 23 Prozent aus Gas und immerhin 17 Prozent aus Kohle. Auch bei der Kohle lag Rußland an der Spitze der Lieferanten – mit rund 26 Prozent. 24 Prozent kamen aus Kolumbien – wegen der katastrophalen Folgen des Kohleabbaus für die Menschen dort sprechen Kritiker oft von »Blutkohle« –, 23 Prozent aus den USA.


Selbst bei der Nuklearenergie, aus der 13 Prozent des EU-Verbrauchs stammen, ist eine gewisse Abhängigkeit von Rußland zu konstatieren. Atomreaktoren in Bulgarien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei hängen von russischen Zulieferungen ab, beklagt die EU-Kommission. Finnland hat gemeinsam mit Rosatom sogar ein neues Atomkraftwerk geplant. Allerdings soll über den Bau im Sommer neu entschieden werden, teilt das Wirtschaftsministerium in Helsinki mit: Rosatom sei jetzt »umstritten«.

Nur auf die erneuerbaren Energien (14 Prozent des EU-Verbrauchs) hat Rußland keinen Einfluß, jedenfalls solange die Kraftwerke, die mit »Putins Kohle« beheizt werden, den Solarzellen nicht die Sonne vernebeln. Ob schon jemand NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der hinter fiesen Fracking-Gegnern ganz klar Gasprom am Werk sieht, auf diese heimtückische Gefahr hingewiesen hat? (jk)

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