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Aus: Ausgabe vom 17.05.2013, Seite 3 / Schwerpunkt

Libanon droht neue Katastrophe

Von Anfang an schien es unmöglich, die durch viele interne gewaltsame Auseinandersetzungen polarisierte Bevölkerung des Libanon vor dem Krieg im Nachbarland Syrien abzuschirmen. Allein wegen der vielen verwandtschaftlichen Bande über die weithin offene Grenze wäre das nicht machbar gewesen. So war es ganz natürlich, daß sunnitische Flüchtlinge von ihren Glaubensbrüdern entlang der Grenze aufgenommen wurden. Von dort wurden wiederum schon bald die Aufständischen in Syrien mit Waffen beliefert und von islamistischen Kämpfern unterstützt. Dokumentiert ist z.B., daß im November 2012 zwölf sunnitisch-libanesische Kämpfer in Syrien beim Kampf um Homs auf seiten der Aufständischen gefallen sind.

Glaubwürdigen Berichten zufolge hat inzwischen auch die schiitische Hisbollah in Syrien eingegriffen. Insbesondere schützen ihre Kämpfer dort die mehrheitlich alawitisch-schiitischen Dörfer entlang der Grenze zum Libanon gegen Angriffe der Aufständischen. Aber auch an anderen Stellen scheint die Hisbollah zunehmend in die Kämpfe auf seiten der Assad-Regierung einzugreifen, was Berichte über die Rückführung von täglich vier bis fünf Getöteten nach Libanon nahelegen.

Derweil haben in Libanon sunnitische Extremisten zur erbarmungslosen Treibjagd auf die religiöse Minderheit der Alawiten geblasen, der auch der syrische Präsident Baschar Al-Assad angehört. So wurden Schulbusse mit alawitischen Kindern mit Steinen angegriffen, alawitische Läden verwüstet und eine Reihe von Erwachsenen mißhandelt oder mit Messern teils lebensgefährlich verletzt. Trophäenvideos zeigen u.a. einen besonders entwürdigenden Fall, in dem ein fanatisierter Lychmob unter Lachen und Applaus einen nackten und blutig geschlagenen, älteren alawitischen Mann an einem Strick um den Hals durch die Straßen von Tripolis schleift, ohne daß die Polizei eingreift oder die Zuschauermenge sich abwendet. Der Bürgerkrieg in Syrien destabilisiert zusehends den Libanon, was vom Westen vielleicht auch so gewollt ist. Am 11. Mai überschrieb die Agentur Bloomberg eine ihrer Wirtschaftsnachrichten mit »Libanons Öl locken Shell, Petrobras und ExxonMobil an«.

(rwr)

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