Zum Inhalt der Seite

Frieden, Respekt, Freundschaft

In einer an alle Haushalte der Region um Caledonia in Kanada verteilten Broschüre heißt es zu den Protesten der Indigenen:

(…) Die Sechs Nationen wurden durch Besetzer vom Großteil ihres [im Haldimand-Vertrag gewährten] Landes vertrieben. In anderen Teilen des Haldimand-Gebiets verpachteten sie das Land an Nichtindigene, erhielten hierfür aber keine Zahlungen. Korrupte Regierungsmitglieder stahlen Mittel aus dem Treuhandfonds der Sechs Nationen (…). Die Empörung der Sechs Nationen heute bezieht sich auf Bauprojekte, die auf ihrem Land durchgeführt werden, ohne daß sie selbst konsultiert oder kompensiert werden.

Darüber hinaus reichte es den britischen und kanadischen Regierungen auch nicht, den Sechs Nationen einfach ihr Land zu stehlen. Ihre Politik zielte auch darauf ab, die Sprache und die Kultur der Haudenosaunee auszulöschen. Kinder der Sechs Nationen wurden ihren Familien weggenommen und in Internate gebracht, wo sie geschlagen wurden, weil sie an ihrer eigenen Sprache festhielten. Auch sexueller Mißbrauch und andere Mißhandlungen waren üblich. Durch eine Mischung aus Gewalt und Vernachlässigung kamen viele Kinder in diesen Schulen ums Leben.
Anzeige

Die Organisatoren des Friedensmarschs vom 28. April sind überzeugt, daß es ohne Gerechtigkeit keinen wirklichen und dauerhaften Frieden zwischen unseren Gemeinschaften geben kann. Gerechtigkeit bedeutet, daß das von der kanadischen Regierung und der britischen Krone begangene Unrecht ausgeräumt werden muß (…).

Wir wissen auch, daß die arbeitende Bevölkerung davon profitiert, wenn sie mit den Menschen der Sechs Nationen zusammensteht. Wir wollen nicht, daß unsere Landgemeinschaften durch suburbane Zersiedlung zerstört werden. Wir wollen nicht, daß lokale Geschäfte von Rieseneinkaufsklötzen verdrängt werden. Wir wollen nicht, daß Bauinvestoren und die von ihnen gekauften, korrupten Politiker das Leben in unseren Städten diktieren. Wir profitieren alle von den Aktionen, die die Sechs Nationen unternehmen, um die Lagerung von Giftmüll und die Verschmutzung der Umwelt am Grand River zu verhindern. In den letzten sechs Jahren haben viele Nichtindigene den Sechs Nationen beigestanden und haben sich mit ihrem Kampf um ihre Landrechte solidarisiert; und die Sechs Nationen haben uns unterstützt, wenn wir im Streik waren und wenn wir gegen die Verschmutzung unserer gemeinsamen Umwelt gekämpft haben. (…)

Übersetzung: Ingar Solty. Vollständiger Wortlaut: http://­april28coalition.wordpress.com

Themen:
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 05.05.2012, Seite 3, Schwerpunkt

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!