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Jahrestag: »Schwarzer Donnerstag«

Ein Jahr ist es her, seit die Polizei mit der brutalen Räumung des Stuttgarter Schloßgartens landesweit für Empörung gesorgt hat. Die Aktion sollte die Fällung von Bäumen ermöglichen, um für »Stuttgart 21« Platz zu schaffen. Sie diente aber ebenso als Provokation derjenigen, die seit Monaten und teilweise Jahren gegen das Prestigeprojekt protestierten. Das zeigt schon die Wahl des Datums: Die Verantwortlichen planten die konfliktträchtige Räumung ausgerechnet für den Tag eines angemeldeten Schülerstreiks. Ein Zufall? Michael Mootz von der »Jugendoffensive gegen Stuttgart 21« ist vom Gegenteil überzeugt. »Mein Gefühl ist, daß sie dachten: Die Schüler sind nicht so erfahren mit der Polizei und mit Demonstrationen, die lassen sich provozieren und schlagen dann auch mal zurück. Ich glaube, sie haben auf Bilder gewalttätiger Demonstranten gehofft, die es dann zum Glück nicht gab. Ich denke aber, das war ihre Absicht.« (siehe »Stuttgart 21 – Oder: Wem gehört die Stadt?«, PapyRossa-Verlag, 2011)

Ein Mann erblindete infolge des Wasserwerfereinsatzes, Hunderte andere ebenfalls friedliche Demonstranten wurden verletzt. Doch die Kritiker des teuren Tiefbahnhofs ließen sich nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Die Massenbewegung wuchs weiter, die Demonstrationen wurden noch größer, die Regierung des CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus wurde abgewählt.
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Am heutigen Freitag, Jahrestag des »schwarzen Donnerstags«, werden in Stuttgart wieder Tausende auf die Straße gehen. Das »Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21« ruft für 17 Uhr am Schloßplatz zu einer Großveranstaltung und Demonstration auf. Im Anschluß daran veranstalten die »Parkschützer« zum Gedenken an den Beginn der illegalen Baumfällungen einen Schweigemarsch mit nächtlicher Musik (Treffpunkt: 23 Uhr Landespavillon). Bereits am Donnerstag abend wollten sich Aktivisten zu einem »Bürgertribunal« versammeln, denn: »Die Verantwortlichen von Bahn, Politik und Polizei wurden bisher nicht zur Rechenschaft gezogen.« (dab)
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Erschienen in der Ausgabe vom 30.09.2011, Seite 3, Schwerpunkt

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