Aus: Ausgabe vom 16.01.2010, Seite 16 / Aktion

»Da war sehr viel Genossenschaftliches«

Bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz präsentierte sich die außerparlamentarische Linke. Ein Gespräch mit Erika Baum

Interview: Gerd Feldkamp
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Erika Baum, geboren 1924 in Wien, war bereits als Jugendliche nach dem Anschluß Österreichs an das faschistische Deutschland in die illegale Arbeit der Kommunisten einbezogen. Seit 1945 engagiert sie sich im Kampf gegen neue faschistische Gefahren, heute ist sie in der DKP aktiv.

Sie waren Referentin bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen Welt. Welche Eindrücke haben Sie von dieser Tagung mitgenommen?

Ich hatte den Eindruck, daß es bei den Teilnehmern in wesentlichen Bezügen ihres Denkens und Lebens eine Übereinstimmung und Verbindung gab. Da war sehr viel Freundschaftliches untereinander, Genossenschaftliches also.

Andererseits traten sehr viele unterschiedliche Gruppen auf – ist das nicht eher verwirrend und spaltend?

Es war eben die Widerspiegelung eines Teils der Linken, die sich dort präsentierte. Da gibt es neben allen Gemeinsamkeiten natürlich auch viele Einzelprobleme und sehr unterschiedliche Lebenserfahrungen. Das führt zur Zersplitterung, zur Vereinzelung.

Ich hatte in meinem Referat auf Probleme in der Aktionseinheit gegen das Kapital hingewiesen, auf die Notwendigkeit, Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Wir müssen den Weg suchen, wie wir Forderungen durchsetzen können, die den Klassengegner schwächen. Das muß möglich sein, ohne gleich die Programmatik des anderen anerkennen zu müssen.

Warum lesen Sie die junge Welt, und was würden Sie an dieser Zeitung verbessern?

(lacht) ... also erstens: Ich bin richtig froh, daß ich kein Journalist bin und eine Zeitung machen muß, ich stelle mir das sehr schwierig vor. Ich lese die junge Welt, weil sie im Unterschied zu anderen Zeitungen, die sich als sozialistisch oder links benennen, eine Reihe von Informationen bringt, die ich woanders nicht bekomme. Und daß das so ist, zeigt, daß in der jungen Welt ein Standpunkt herrscht, den ich schon als den der Arbeiterklasse bezeichnen würde.

Was würden Sie verbessern?

Eine Zeitung kann natürlich keine Organisationsstrukturen ersetzen Verbessern würde ich allerdings das Zusammenspiel von Beschreibung, Hintergrundberichten und politischer Aktion. Aber vielleicht ist es das, was die gesamte Linke noch lernen muß.


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