Zum Inhalt der Seite

Lesetipps

Subjektive Ansprüche an Interessenvertreter

Welches Gewicht haben unterschiedliche Ansprüche und Interessen aus der subjektiven Sicht von Beschäftigten? Dieser Frage geht eine im Hampp-Verlag veröffentlichte Dissertation nach. Zudem interessiert den Autor André Holtrup von der Uni Bremen, welchen Stellenwert die Beschäftigten den traditionellen Akteuren kollektiver Arbeitsbeziehungen, Betriebsräten und Gewerkschaften, bei der Regelung ihrer Probleme einräumen. Ein Befund der Studie, die sich auf Interviews mit Betriebsräten und Beschäftigten stützt, ist, daß »Freiräume in der Arbeitsausführung, selbstbestimmtes Arbeiten, fachliche Herausforderungen und Chancen zur persönlichen Weiterentwicklung (…) für das Gros der Befragten subjektiv zentrale Kriterien bei der Bewertung ihrer Arbeitssituation« darstellen. Bemerkenswert ist, daß die Rolle der kollektiven Interessenvertretungen in diesen »qualitativen« Fragen als nicht sehr groß eingeschätzt wird: »Während die Themen Vergütung und Arbeitszeit als die zentralen und offensiv vertretenen Regulierungsbereiche von Gewerkschaften und Betriebsräten begriffen werden, verfügen sie bei den Fragen der Arbeitsgestaltung und den beruflichen Entwicklungsperspektiven in den Augen der Interviewpartner entweder über kein oder ein vornehmlich defensives Instrumentarium.«

André Holtrup: Individualisierung von Arbeitsbeziehungen? Ansprüche von Beschäftigten an Arbeit und Interessenvertretung. Hampp-Verlag, München und Mering, 2008, 200 Seiten, 24,80 Euro, ISBN: 978-3-86618-227-1

Tarifverhandlung und Streikrecht

Tarifverhandlungen sind ohne Streikrecht nichts anderes als kollektives Betteln. So hat es einst das Bundesarbeitsgericht festgestellt. Mit diesem elementaren Zusammenhang zwischen Arbeitskampf- und Tarifrecht begründet der Frankfurter Bund-Verlag, warum er beide Themen in einem Kommentar behandelt. Ein Schwerpunkt der zweite Auflage sind die kontrovers diskutierten Fragen der Tarifeinheit und -konkurrenz. Detailliert und verständlich werden zum Beispiel neuere Urteile zur »Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste« (GNBZ) und den »christlichen« Gewerkschaften dargestellt und diskutiert.

Peter Berg/Helmut Platow/Christian Schoof/Hermann Unterhinninghofen: Tarifvertragsgesetz und Arbeitskampfrecht, Basiskommentar. 2. vollständig überarbeitete Auflage, Bund-Verlag, Frankfurt/Main, 2008, 570 Seiten, 39,90 Euro, ISBN: 978-3-7663-3840-2

Themen:
junge Welt

Du findest junge Welt Journalismus wichtig – aber ein Abo ist (noch) nichts für dich?

Dann unterstütze uns jetzt mit einer monatlichen oder einmaligen Spende – ganz unkompliziert, ohne Verpflichtung, aber mit großer Wirkung.

Werde Teil einer engagierten Community, die die Weltsicht der Herrschenden nicht übernimmt, sondern kritisch hinterfragt. Dein Beitrag hilft uns dabei.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Danke für Deine Spende.
Sie macht junge Welt Journalismus erst möglich.
Erschienen in der Ausgabe vom 31.03.2009, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!