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Leserbrief zum Artikel Konterrevolution: Rauben, egal, was das kostet vom 06.11.2019:

Preis der »Freiheit«

Angeblich wollten die Menschen in der DDR 1989 noch eine »bessere DDR«. So, wollten sie das? Wie hätte diese denn ihrer Meinung nach aussehen sollen? Viele forderten damals »mehr Demokratie«, »Reisefreiheit« usw. Ist es nicht eher so gewesen, dass schon bei der Mehrheit der DDR-Bürger das Konsumdenken eingesetzt hatte? Der Drang nach vollen Regalen, schnelleren Autos – nach Überfluss an Konsum. Wie sonst ist zu erklären, dass noch viele Menschen nachts, nach Verkündung der »Maueröffnung«, in den Westen aufbrachen, oder die Hunderttausende, die in die BRD und nach Westberlin strömten, um sich ihre 100 »West-Mark« »Begrüßungsgeld« abzuholen. Was zählten da noch die gesicherten Arbeitsplätze, die stabilen Preise und Mieten, die gesicherten Existenzen? Viele sind damals bereit gewesen, diese aufzugeben. Sie glaubten an die leeren Phrasen vom damaligen BRD-Kanzler Kohl und seinem Gefolge. An das leere Gerede von »wirklicher Demokratie« und »Freiheit«. Freiheit für wen? Freiheit für die westdeutschen Kapitalisten, sich die volkseigenen DDR-Betriebe, Kombinate und Fabriken wieder anzueignen. Freiheit, Zigtausende Arbeitsplätze zu vernichten und somit Zigtausende Arbeiter und Angestellte arbeitslos zu machen. Freiheit, sich wieder Grund und Boden anzueignen. Das ist die »Freiheit«, die sie meinten, Kohl, Genscher usw. Und ihre vielgepriesene »Demokratie«? Heute haben die Menschen nichts mehr zu sagen. Alle paar Jahre haben sie Möglichkeit, »wählen« zu dürfen. Aber ihre Meinung interessiert die Herrschenden nicht. Heute sind auch im Osten viele Menschen arbeitslos. Viele leben von Hartz IV. Viele Rentner sind von Altersarmut betroffen. Bei vielen reicht die Rente gerade so zum Überleben. Auch im Osten gibt es wieder Obdachlose, weil viele die immer weiter steigenden Mieten nicht mehr zahlen können. Für viele ist die Wohnung zum Luxus geworden. Dazu kommen die steigenden Kosten für Gesundheitsfürsorge, Bildung, Kinderbetreuung usw. Ist das die »Freiheit«, von der viele DDR-Bürger träumten?
Joachim Becker
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