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Leserbrief zum Artikel Konterrevolution: Rauben, egal, was das kostet vom 06.11.2019:

Glück des Mauerfalls

Ich wünschte mir, dass jW am 9. November auf Seite 1 keinen Artikel, sondern in Schlagzeilen das ungeheure »Glück«, das die DDR-Bürger getroffen hat, so darstellt, dass es direkt ins Auge fällt: DDR-Bürger endlich wieder beteiligt an Angriffskriegen in Jugoslawien, Afghanistan, Syrien mit Millionen Toten, Verstümmelten und Vertriebenen. Über 3,5 Millionen DDR-Bürger dürfen ihre Heimat verlassen, wovon 1,5 Millionen Fachkräfte, darunter ca. 10.000 Mediziner, zum Aufschwung verhelfen. Nettogewinn für die alte BRD ca. zwei Billionen Euro. Tausende vor der Pleite stehende Handels- und Industriebetriebe werden durch die DDR-Bürger mit ihrem reichlich angesparten Geld gerettet. Erstmalig erhalten DDR-Bürger Arbeitslosengeld und dürfen obdachlos unter Brücken bei freier Luft das glückliche Leben des Westens genießen. Mindestens 10.000 Besatzungsbeamte und Richter sorgten gegen gute Bezahlung für Entlastung der DDR-Bürger und wiesen sie in die Paragraphen des 19. Jahrhunderts ein. Das Volk der DDR wurde seines Eigentums beraubt, darunter Industrie- und Forschungsbetriebe im Wert von weit über 600 Milliarden DM, darunter 12.000 Betriebe und 25.000 Handelseinrichtungen und Kleinstbetriebe. Weiterhin 1,3 Millionen Hektar Agrarland, 774.000 Hektar Wald, Nebenbetriebe und Wohnungen, 276.000 Hektar Gewässer, 300 komplette landwirtschaftliche Verarbeitungsbetriebe. Ganze Stadtviertel eigneten sich westdeutsche und ausländische Immobilienhaie an. Das flächendeckende staatliche Gesundheitswesen mit seinen Polikliniken in Stadt und Land wurde ruiniert mit dem Ergebnis, dass heute eine katastrophale Lage in der medizinischen Versorgung besteht. Zehntausende Neubauwohnungen, Kindertagesstätten und andere soziale Einrichtungen wurden dem Erdboden gleichgemacht oder ruiniert. Das flächendeckende, zentral gesteuerte Ausbildungs- und Bildungswesen, das jedem Bürger kostenlos eine Ausbildung sicherte, darunter bei Frauen 90 Prozent, wurde zerschlagen, ebenso die oft an Betriebe angegliederten Kultureinrichtungen. Das flächendeckende volkseigene Verkehrsnetz bis in das letzte Dorf wurde dem Glück des Mauerfalls geopfert, und der Zwang zum giftsprühenden Privatauto erhöhte die Luftverschmutzung weiter.
Man  sollte unbedingt nicht vergessen: Die DDR-Bürger kommen in den Genuss des aufblühenden Faschismus und der erneuten Russenfeindlichkeit. Die DDR-Bürger werden nun auch an der Ausbeutung der dritten Welt beteiligt und müssen, ob sie wollen oder nicht, dafür sorgen, dass mindestens drei Milliarden Menschen auf der Welt in Armut und Elend leben, etwa eine Million hungert, etwa eine Million kein sauberes Trinkwasser hat und fast eine Million nicht einmal eine Toilette. Fazit: Mindestens 150 Völker der Welt wären heute mit dem Sozialismus der DDR, der Frieden und soziale Sicherheit garantiert hat, voll zufrieden.
Gerhard Ulbrich
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