Der Schwarze Kanal
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Leserbrief zum Artikel Landwirt und Gesellschaft: Lob des Bauern vom 08.08.2018:

Alternativen ignoriert

Vielen Dank für ihre Sonderbeilage »Land und Wirtschaft« vom 8. August. jW gebührt das Verdienst, regionale Streiflichter aufzuzeigen, um Spannungsfelder zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft, Stadtflüchtern und Dorfbewohnern zur Diskussion zu stellen. Richtigerweise betrachten Sie dabei ein eng begrenztes regionales Umfeld wie hier den Landkreis MOL als Modell, um EU-Landwirtschaftspolitik in ihrer Gesamtheit zu hinterfragen. Ich rechne Ihnen dabei hoch an, den Problemen der Landwirte Gehör schenken zu wollen. Leider aber krankt dieses Bemühen an zu schwacher Recherche. Diese betrifft vor allem die Frage nach dem (fehlenden) Zusammenwirken ihrer Handlungsakteure.
Das Selbstverständnis des Brandenburger Bauernbundes mit seinem Mitglied von der Marwitz (MdB CDU) können Sie dessen Website entnehmen. Das sollte Fragen zur EU-Agrarpolitik der CDU und ihres Ex-LW-Ministers und Glyphosatlobbyisten Schmidt aufwerfen. Zur Fragwürdigkeit des Bauernbundes in seinem Selbstverständnis zum Leben im Einklang mit der Natur habe ich der MAZ einen Leserbrief geschrieben (…). Die Bemühungen, Glyphosat in Brandenburg zu ächten, sind nicht neu und keinesfalls nur eine Initiative der auf S. 8 genannten Aktivisten Morgenstern und Rühmann. Bereits am 28. Oktober 2017 hatte die AG Umwelt Brandenburg der Partei Die Linke ihrer Landtagsfraktion einen einstimmig angenommenen Eilantrag zum »Verbot von Glyphosat bei gleichzeitiger Stärkung der ökologischen Landwirtschaft« übergeben (…). Dieser blieb jedoch auch nach mehreren Rückfragen unbeantwortet. Das Thema nach Alternativen zu Glyphosat aufgreifend, bringt die Verbandszeitschrift der Grünen Liga Brandenburg, Libell, ein Interview mit Prof. Dr. rer. nat. Dr. habil. Edgar Klose (MITI) (…). Prof. Kloses international wertgeschätzte Forschungsergebnisse sind in Brandenburg nicht unbekannt. Die Minister Vogelsänger (MLUL) und Ludwig (Justiz, Verbraucherschutz) konnten sich aus Feldversuchen und praktischer Anwendung von der Richtigkeit des Lösungsansatzes überzeugen. Dabei blieb es.
Richtig der Aufmacher auf Seite 8 ihrer Beilage von Jana Frielighaus »Entgiftungskur gefordert«. Auch dazu berichtet Libell in zwei Beiträgen über das gesundheitliche Risiko und über Alternativen zu Glyphosat und anderen Ackergiften. Auch diese Erkenntnisse, die in Human- und Naturmedizin hineinreichen, sind dem brandenburgischen »Gesundheitscampus« nicht unbekannt.
Namhafte Publikationen wie von Professor em. Prof. Dr. med. habil. Karl Hecht (MITI) zeigen Zusammenhänge von alternativer ökologischer Bewirtschaftung von Trockenböden, ökologischer Tierhaltung und Chancen für Natur- und Humanmedizin auf. Revolutionäres könnte dessen Umsetzung bedeuten. In Referenzen wird dabei auf die Begrünung von Wüsten, das Wiederbeleben ganzer Klima- und Lebenskreisläufen verwiesen. Beeindruckende Erfolge in der Human- und Tiermedizin zeigen eine unglaubliche Anwendungsbreite auf, die selbst Innovationen und Anwendungsbereiche nach sich zieht (vgl. »Heilung von Natur und Tierwelt«, Karl Hecht). In der Europäischen Union, aber vor allem in Deutschland unerkannt. Erkenntnis genug für den MOL-Landrat, um mit dem Forschungsinstitut MITI für den Landkreis MOL am 2. November 2017 eine Vereinbarung »Modellregion für Brandenburg mit gesünderen Menschen und Tieren, ökologisch produzierten Nahrungsmitteln und sauberen Böden in Wald und Flur« abzuschließen. Nur der Landkreis MOL bleibt in dieser Bemühung isoliert. Warum? Und da nun gerade junge Welt MOL zum Beispiel verfehlter Landwirtschaftspolitik wählt, bleibt die Frage, warum das dort vorhandene Wissen für eine alternative, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, mit ihren Chancen, nicht in ihre Berichterstattung eingeht? Der Landesregierung ist es bekannt, dem Landrat auch und erst recht den Bauernverbänden. Woran liegt es, dass nicht zusammenkommt, was zusammengehört?
Hans-Joachim Börner, Märkisches Institut Strausberg
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