Aus: Ausgabe vom 14.02.2017, Seite 2 / Ausland

Weder Trump noch Peña Nieto

Tausende demonstrieren in Mexiko gegen US-Politik und eigene Regierung

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Demonstration gegen die Politik von Donald Trump am 12. Februar in Mexiko-Stadt

Tausende Menschen haben am Sonntag in zahlreichen Städten Mexikos gegen US-Präsident Donald Trump und seine Politik gegenüber Mexiko demonstriert. Dazu aufgerufen hatte ein regierungsnahes Bündnis von Universitäten, Wirtschaftsverbänden und gesellschaftlichen Organisationen. »Mexiko respektiert man, Herr Trump«, stand auf einem großen Transparent an der Spitze des Demonstrationszugs in Mexiko-Stadt, an dem sich der Nachrichtenagentur AFP zufolge rund 20.000 Menschen beteiligt haben sollen. Die linke Tageszeitung La Jornada sprach dagegen nur von »einigen tausend« Teilnehmern, die Beteiligung sei deutlich hinter den Erwartungen der Veranstalter zurückgeblieben.

»Wir sind hier, um Trump zu zeigen, dass ein ganzes Land vereint gegen ihn und seine fremdenfeindliche, diskriminierende und faschistische Dummheit aufsteht«, sagte die Literaturstudentin Julieta Rosas. Erick Smith, ein mit einer Mexikanerin verheirateter US-Bürger, trug ein Schild, auf dem stand: »Entschuldigung, Mexiko«. Der Ingenieur Adrián Candelario sah in der Haltung Trumps nicht nur einen Angriff auf die Ehre aller Mexikaner: »Er will nicht nur eine Mauer an der Grenze bauen. Seine Haltung richtet sich gegen die gesamte Welt!«

Die Leitung der Nationalen Autonomen Universität (UNAM) hatte offiziell zur Teilnahme an den Protestmärschen aufgerufen. Das stieß auf den Protest von Studentengruppen, die das als Unterstützung für Staatschef Enrique Peña Nieto bewerteten. Der Rektor der UNAM, Enrique Graue, musste sich auch während der Demonstration Kritik anhören. »Wo war die Universitätsbürokratie, als wir gegen das Massaker in Nochixtlán oder für die ›Verschwundenen‹ von Ayotzinapa demonstriert haben?« zitierte La Jornada wütende Kommilitonen. »Es ist eine Schande, dass der Rektor die Universität in den Dienst der Oligarchie stellt!«

Viele Mexikaner fordern von Peña Nieto einen deutlicheren Ton gegenüber der Trump-Regierung. Zudem protestierten in den vergangenen Wochen Tausende gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung, die zu dramatischen Preissteigerungen bei Benzin und Diesel geführt hat. Obwohl die Organisatoren dazu aufgerufen hatten, bei den Kundgebungen am Sonntag weder für noch gegen den Staatschef zu demonstrieren, machten Tausende ihrem Unmut Luft und riefen Parolen gegen den Staatschef und dessen Politik.

(AFP/Reuters/dpa/PL/jW)

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