Wohnen macht arm

Caritas-Umfrage: Angst um bezahlbare Mieten wächst. Zahl der Obdachlosen auch. Warnung vor »gesellschaftlichem Konfliktpotential«

Von Susan Bonath

Ein Obdachloser in München (3. Dezember)

Wo Mangel den Konkurrenzkampf auf die Spitze treibt, lässt sich gut Kasse machen. Zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt. Die Kosten schnellen seit einigen Jahren in die Höhe. Etwa drei von vier Menschen in Deutschland sorgen sich darum, morgen noch ihre Miete zahlen zu können. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Caritas hervor, die der Verband am Mittwoch zum Start ihrer diesjährigen Kampagne unter dem Motto »Jeder Mensch braucht ein Zuhause« vorstellte. »Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht«, konstatierte Caritas-Präsident Peter Neher.

Danach halten es 83 Prozent der befragten unter 30jährigen, 80 Prozent der über 50jährigen und etwa zwei Drittel der mittleren Altersgruppen für äußerst oder sehr wichtig, das Menschenrecht auf eine Wohnung durchzusetzen. Besonders Geringverdiener und Erwerbslose brachten ihre Sorge zum Ausdruck, keine angemessen große und bezahlbare Bleibe zu finden.

In Deutschland fehlten etwa eine Million Wohnungen, so die Caritas. Vorhandene würden luxussaniert und stark verteuert. »Menschen müssen ihr langjähriges Zuhause verlassen und am Ende sitzen sie vielleicht auf der Straße«, kritisierte der Verband. Laut Neher würden Arme zusehends in bestimmte Stadtteile verdrängt. Das berge »gesellschaftliches Konfliktpotential«, warnte er. Mit der Kampagne will die Caritas zeigen, wo Wohnungsmangel herrsche und wie er behoben werden kann. »Ein Zuhause darf in einem reichen Land wie Deutschland nicht Privileg, sondern muss Grundrecht sein«, heißt es.

Vom Recht auf ein Dach über dem Kopf ist Deutschland weit entfernt. Das zeigt die rapide Zunahme an Wohnungslosen. Fast eine halbe Million Einheimische und rund 400.000 Geflüchtete oder Arbeitsmigranten trifft es inzwischen, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) vor einigen Monaten schätzte. Mehr als 50.000 von ihnen campierten dauerhaft auf der Straße – auch im Winter. Dramatisch ist es etwa in Berlin. Ende 2016 kamen dort fast 31.000 in Notschlafstellen unter, fast doppelt so viele wie 2015. Allerdings: Osteuropäische Arbeitsmigranten haben dazu oft keinen Zugang. Die Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) hatte deshalb am Mittwoch erstmals zu einer Strategiekonferenz zur Hilfe für Wohnungslose eingeladen.