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02.01.2008 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Die Legende widerlegen

Unternehmer klagen über zu hohe Lohnkosten in Deutschland. Einer volkswirtschaftlichen Analyse hält dieses Gejammer nicht stand

Hartmut Görgens
In weiten Kreisen von Öffentlichkeit und Politik dominiert seit Jahrzehnten die von Arbeitgeberseite lancierte Auffassung, in Deutschland seien die Lohnkosten und die Gewinnsteuern zu hoch und die Kapitalrentabilität zu niedrig. Dies seien die Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit. Diese Meinung ist die böse Mutter aller jüngeren »Reformen« der Sozialversicherungszweige, des Arbeitsrechts, der Arbeitsmarktpolitik und aller Gewinnsteuersenkungen. Denn sie alle haben das erklärte Ziel, die Arbeitskosten zu senken, die Beitragssätze zu begrenzen und die Gewinne zu steigern.

Für eine Abkehr vom bisherigen »Reformkurs« ist deshalb der Nachweis hilfreich, daß die Lohnkosten eben nicht zu hoch sind. Er kann erbracht werden. Der Stier muß bei den Hörnern gepackt werden. Wenn nämlich die Löhne die Ursache der Arbeitslosigkeit wären, dann müßten der Anteil der Löhne an der Produktion und ihr Verhältnis zu den Gewinnen heute höher sein als zu früheren besseren Beschäft...

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