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22.03.2007 / Schwerpunkt / Seite 3

»Die soziale Selektion wirkt enorm«

Kinder aus Arbeiterfamilien werden im deutschen Bildungssystem benachteiligt. Selbstorganisation an der Universtität Münster. Gespräch mit Andreas Kemper

Ralf Wurzbacher
Andreas Kemper ist Mitbegründer des »Referats für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende« an der Universität Münster und promoviert gerade in Soziologie. Informationen im Internet: WorkingClassStudents.de

Hierzulande schaffen nur sehr wenige Kinder aus Arbeiterfamilien den Sprung an die Hochschulen. Setzt sich die Benachteiligung auch hochschulintern fort?

Das von Wolf Wagner erstmals vor 30 Jahren in seinem Buch »Uni-Angst und Uni-Bluff« beschriebene Bild des Hochschulbetriebs ist heute so aktuell wie ehedem. Uni-Bluff bedeutet das Vorgaukeln intellektueller und rhetorischer Fähigkeiten, worin Kinder aus »besseren« Verhältnissen viel geübter sind als jene aus benachteiligten Milieus. Arbeiterkinder gehen eher an Fachhochschulen als an Universitäten, sie studieren seltener die höher anerkannten Fächer wie Medizin und Jura, sie brechen ihr Studium häufiger ab, promovieren seltener und...

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