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15.05.2006 / Feuilleton / Seite 13

SOS im Wasserglas

Kritische Kunst: Attitüde eines Radical chic oder ernsthafte Opposition? Marius Babias verfolgt »die Spur der Revolte« in der sogenannten Berliner Republik

Matthias Reichelt
Wie Müll museal wird. Das Cover des neuen Buchs von Marius Babias schmückt ein Foto von Joseph Beuys' Aktion »Ausfegen« am 1. Mai 1972 auf dem Karl-Marx-Platz in Berlin-Neukölln, wo Beuys den hinterlassenen Müll der 1.-Mai-Demonstration zusammenfegte und später samt Besen in einer Vitrine endlagerte. Das Bild ist programmatisch. Denn Babias räumt auf mit den Trümmern und Resten subversiver und politisch radikaler Identitäten, die besonders im Westen der geteilten Stadt gebildet und gepflegt wurden. Seit 1989 bietet sich Berlin nicht mehr an als Enklave für radikale Biographien und Identitäten. Der Kunstbetrieb selbst avancierte nun zum Ort von Systemkritik. Marius Babias unterzieht die Kunstszene der deutschen Hauptstadt einer kritischen Betrachtung. In 15 Kapiteln und einem Schlußteil macht er unmißverständlich deutlich, wie illusionär die Versuche von Pop- und Kulturlinken sind, sich nicht vereinnahmen zu lassen vom System.

Die Maschinerie der Verwertun...

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