29.06.2005 / Thema / Seite 10

Unerkennbare Welt?

Mit »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit« schrieb Bertolt Brecht vor 70 Jahren eine politische Ethik der Künste. Eine erneute Lektüre des Essays

Thomas Metscher

Brechts Essay »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit« hat, in einer Zeit des Aufbruchs, vor dreißig Jahren und mehr, einer ganzen Generation kritischer Intellektueller zur Orientierung gedient.1 Verfaßt wurde er 1935, in einer Zeit der Niederlage, in einer »Stunde höchster Gefahr« (Walter Benjamin): nach dem Triumph des Faschismus in Italien und Deutschland, ein Jahr vor dem Francoputsch in Spanien, vier Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, zu einem Zeitpunkt also und unter Zeitverhältnissen, die für das Auffinden und Verbreiten der Wahrheit nicht günstig waren.

Lesen wir den Text heute neu – was hat er uns zu sagen? »Heute«, das heißt in einer Zeit, die keine Zeit des Aufbruchs mehr ist, vielmehr die Zeit einer neuen Niederlage, erneut einer großen Gefahr – blind ist, wer diese nicht zu erkennen vermag. Was sagt Brechts Text, heute wiedergelesen?

Zunächst sagt er uns, daß es Schwierigkeiten gibt, wenn die Wahrheit durch Schreiben g...



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