30.08.2004 / Feuilleton / Seite 13

Zwei Pfennig vom Gulden

Über den Daumen gepeilt: Arbeitslosengeld II ist mittelalterlicher Tagelohn

Rosa Gölitzer

Von Erwerbsloseniniatitiven wird gelegentlich der Verdacht geäußert, die »Arbeitsmarktreformer« wollten uns ins Mittelalter zurückkatapultieren. Tatsächlich entspricht die Höhe des geplanten Arbeitslosengeldes II der eines Tagelohns von vor 600 Jahren, nur konnten damals auch arme Menschen aufgrund des Gemeineigentums an Wald und Weideland bescheiden überleben. Heute sind wir der Willkür von Staat und Bürokratie absolut ausgeliefert.

Nach mir vorliegender, bestimmt nicht repräsentativer Information, verdiente ein Tagelöhner um das Jahr 1400 im städtischen Milieu Süddeutschlands drei bis fünf »silbern Pfennig«, ein qualifizierter Handwerker das zwei- bis vierfache. Zwölf dieser Pfennige wurden »durch alle Königreich (...) für ein(en) gülden Werth« gerechnet. Über diesen »gülden Werth« bestimmt der Sachsenspiegel um 1230: »Das ist zwei Ochsen zum Pflügen oder eine (Milch-)Kuh mit Kalb«. Nach amtlichem Münzedikt von 1409 wurden vom »rheinischen Goldgulde...

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