04.02.2004 / Inland / Seite 15

Ein kleines Bergen-Belsen

Geschichtspolitik in Niedersachsen: Kommune und Landkreis verhindern eine Gedenkstätte in Sandbostel

Peer Heinelt

Der Chronist der britischen Grenadier Guards war empört und schockiert: In Anlehnung an das KZ Bergen-Belsen bezeichnete er das von seiner Truppe am 29. April 1945 befreite Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager Sandbostel bei Bremervörde als »minor Belsen«. Die vorgefundenen Zustände spotteten jeder Beschreibung: 7 000 KZ-Häftlinge – viele von ihnen todkrank – waren dabei zu verhungern. Der Gesundheitszustand eines großen Teils der 14 000 alliierten Kriegsgefangenen war ebenfalls sehr schlecht. Die Wut der britischen Truppen wurde noch dadurch gesteigert, daß Wehrmacht und SS mit aller Macht versucht hatten, ihren Vormarsch zu stoppen und die Befreiung des Lagers zu verhindern. Es verwundert daher nicht, daß sie zunächst beabsichtigten, die verbliebenen Angehörigen der Wachmannschaft zu erschießen und den Ort Sandbostel sowie einige Dörfer in der Umgebung niederzubrennen.

Obwohl die Anwohner des Lagers von der Zwangsarbeit der Kriegsgefangenen auf ihre...

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