10.01.2004 / Feuilleton / Seite 17

Minima Moralia

Gegen Groschenhefte: Michael Schulte sortiert den Trümmerhaufen der idealisierten US-Kriminalgeschichte und bewertet Tat und Täter neu

Ludwig Lugmeier

Daß Verbrechen risikoreich sind und die Gefahr in sich bergen, auch zum Nachteil jener auszuschlagen, die sie verüben, ist eine altbekannte Tatsache. Allerdings fragt man sich, welchen Sinn es machte, Banken zu betrügen, Eisenbahnen auszurauben oder Ehemänner zu vergiften, wenn diese Art der Lebensbewältigung ausnahmslos zum Erfolg führte. Mutierte sie nicht alsbald zum Durchschnittsverhalten? Wie lange gäbe es dann noch Eisenbahnen, Banken und Ehemänner? Und verlöre das Verbrechen schließlich nicht seinen Reiz und würde so langweilig wie, sagen wir, das Musterleben der Sekretärin Ruth Snyder?

Dieselbe, mit allem ausgestattet, was das Leben angenehm macht (Haus, Automobil, Radio), nahm sich, eben dieses Lebens überdrüssig, einen Geliebten, versicherte den rechtmäßig angetrauten Gatten bestens, um ihn anschließend mittels Geliebten und Blumendrahtes zu erdrosseln. Wohl ahnend, den Bogen gesellschaftlicher Akzeptanz überspannt zu haben, täuschte sie als...

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