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08.10.2019 / Feuilleton / Seite 11

Mit dem Segen Adenauers

Ein Sammelband über die Karrieren von SS-Männern nach 1945

Gerhard Henschel

Am 10. Mai 1945, zwei Tage nach der Kapitulation der Wehrmacht, erhielt der Obergefreite Kurt Petzold von seinem Batteriechef den Befehl, in ein anderes Quartier umzuziehen. Petzold weigerte sich und erklärte: »Die Zeiten sind jetzt vorbei. Ich bin ein freier Mann. Ihr habt jetzt ausgeschissen. Ihr Nazihunde, ihr seid schuld an diesem Krieg. Ich werde bei den Engländern schon sagen, was ihr für Nazihunde seid, dann kommt meine Zeit.« Ein Feldgericht unter dem Vorsitz des Marineoberstabsrichters Hans Filbinger, der sein Amt selbst noch in einem britischen Kriegsgefangenenlager versah, verurteilte Petzold am 29. Mai 1945 zu sechs Monaten Gefängnis, weil er »ein hohes Maß an Gesinnungsverfall« gezeigt und zudem auch noch demonstrativ das Hakenkreuz von dem Hoheitsabzeichen seiner Mütze und seines Uniformrocks entfernt habe.

Petzold hatte sich geirrt: Er war kein freier Mann, und die Zeiten, die er meinte, waren keineswegs vorbei. Vom langen Nachleben des Fas...

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