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15.07.2019 / Thema / Seite 12

Mehr als ein ethnischer Konflikt

Der Völkermord in Ruanda hat eine lange koloniale Vorgeschichte, die bis heute nicht aufgearbeitet ist. Statt dessen werden die Greueltaten zur Rechtfertigung neuer Kriege genutzt

Christian Selz

Bis Mitte Juli 1994 dauerten die Gewalttaten an. Mehr als drei Monate lang hatten Militär, regierungsnahe Milizen und Zivilisten aus der Bevölkerungsgruppe der Hutu systematische Massaker an Angehörigen der Tutsi-Minderheit verübt. Sie töteten dabei auch Hutu, die sich gegen das Morden gestellt hatten. Mindestens 500.000 Menschen, das sind die niedrigsten Schätzungen, fielen dem Genozid zum Opfer. Häufiger wird die Zahl von 800.000 Todesopfern angegeben, Ruandas heutige Regierung spricht gar von etwa einer Million Toten. Aufgehetzt durch ein Radioprogramm, in dem zur Tötung von »Kakerlaken« – gemeint waren Tutsi – aufgerufen wurde, zogen bewaffnete Banden von Haus zu Haus. Die meisten Opfer wurden mit Macheten erschlagen. Die Soldaten einer in Ruanda stationierten Militärmission der Vereinten Nationen griffen nicht ein. Im Gegenteil: Nachdem zehn belgische Soldaten, die die moderate Premierministerin Agathe Uwilingiyimana beschützen sollten, am 7. April 1...

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