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17.04.2019 / Feuilleton / Seite 10

Ohne das Grelle und die soziale Pointe

Eine Therapiesitzung macht noch keine Komödie: Sergej Prokofjews »Die Verlobung im Kloster« an der Berliner Staatsoper

Kai Köhler

Mit Aufführungen seiner Opern hatte Sergej Prokofjew selten Glück. Nachdem er in »Semjon Kotko« (1939/40) den Kampf der Bolschewiki gegen deutsche Besatzer in der Ukraine des Jahres 1918 auf die Bühne gebracht hatte, sollte eine Komödie folgen. Die Uraufführung der »Verlobung im Kloster« war für den Sommer 1941 geplant, fiel wegen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion aus, und die Oper kam erst 1946 zu Gehör.

Auf den ersten Blick wirkt der Stoff unzeitgemäß. Väter, die ihre Kinder nach Geschäftsinteressen verheiraten wollen; junge Liebende, die sich dem mit List entziehen – das ist nur bedingt ein sozialistisches Thema. Aber wie das Bürgertum über die eigenen Werte lachen konnte – eine Komödie Richard Sheridans von 1775 war Prokofjews Vorlage –, so musste sich auch der Sozialismus über sich selbst verständigen. Die Situationen sind einfach zu übertragen: Zu sehen, wie unfreiwillig komisches Autoritätsgehabe unterlaufen wird, macht stets Spaß. So bie...

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