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20.09.2018 / Feuilleton / Seite 10

Eine befremdliche Kargheit

Mozarts Requiem in einer plausiblen Neuaufnahme des großen Entromantisierers Arthur Schoonderwoerd

Stefan Siegert

Kaum ein Werk Wolfgang Amadé Mozarts ist von Mythen so umwabert wie sein Requiem. Noch Milos Formans sich als Entrümpelung des romantischen Mozart-Bilds verstehender Mozart-Film ließ den Auftrag zur Totenmesse nächtens im Mondlicht vom »schwarzen Boten« überbringen. Tatsächlich vermittelte wahrscheinlich ein ganz normaler Rechtsanwalt die gut bezahlte Erfüllung eines Wunsches des exzentrischen Grafen Franz von Walsegg, der gedachte, seine verstorbene Frau mit einem Requiem zu ehren. Das Werk sollte in der zum Schloss gehörigen Kirche aufgeführt werden; als sein Verfasser wollte der im Komponieren dilettierende Graf auftreten. Aber Mozart starb, kaum hatte er den Anfang, den Introitus, fertigstellen können. Von der Sequenz und dem Offertorium hinterließ er lediglich mal in den Vokalstimmen, mal in der Streicherbegleitung und im Bass ausgeführte Passagen und Skizzen.

Ab dem Sanctus stammt Mozarts Requiem in Gänze von einigen seiner Musterschüler, komponi...

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