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06.08.2018 / Schwerpunkt / Seite 3

Den Staat anbeten

Ukrainische Regierung forciert die Gründung einer eigenen orthodoxen Kirche

Reinhard Lauterbach

Man solle, heißt es in der Bibel, dem Kaiser geben, was des Kaisers sei. Das Problem der Ukraine ist, dass unter den Christen des Landes keine Einigkeit herrscht, wer der Kaiser ist. Zwar bekennen sich ungefähr 70 Prozent der Ukrainer dazu, orthodoxe Christen zu sein. Aber der größte Teil von ihnen geht – ob aus Bequemlichkeit, weil die örtliche Gemeinde ihr angehört, oder aus Überzeugung – in eine Kirche des Moskauer Patriarchats. Und dessen Geistliche predigen Dinge, die der aktuellen Kiewer Regierung überhaupt nicht passen: ein Ende des »Bruderkriegs«, die »Wiedervereinigung der slawischen Völker«, kurz: die Interessen Russlands. Immer wieder regen sich regierungstreue ukrainische Medien auf, wenn zum Beispiel ein Priester der »Moskauer« Kirche den Kampf im Krieg gegen die Ostukraine zur »Sünde« erklärt. Wo doch – wozu sich natürlich auch Priester finden – die ukrainischen Panzer und Kanonen gefälligst zu segnen sind.

Mit solchen pazifistischen »Häresi...

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