20.07.2018 / Feuilleton / Seite 11

Gute, geregelte Verdauung

Über Vor- und Nachteile des ewigen Aufschiebens aus revolutionärer Sicht

Dr. Seltsam

Prokrastination ist die »Aufschiebekrankheit«. Wer schreibt, kennt sie. Insbesondere Deutschlehrer neigen dazu, die Korrektur von Aufsätzen ewig hinauszuzögern, bis kurz vor den nächsten Klassenarbeitstermin. Einer meiner früheren Referendarskollegen ging gelegentlich so weit zu behaupten, die Tasche mit den Heften wäre gestohlen worden oder verlorengegangen oder sogar verbrannt. Es hat ihm wenig geholfen, sie mussten ja wiederholt werden.

Manchmal hat sie aber auch einen positiven Effekt: Wie oft sollte ich schon operiert werden! Dann hatte ich aber zuviel Angst, oder der OP-Saal war nicht frei, und so habe ich meine Gallenblase bis heute behalten und erfreue mich einer guten, geregelten Verdauung – dank Prokrastination.

Auch in der revolutionären Geschichte hat die Aufschiebekrankheit gelegentlich eine Rolle gespielt. Am 4. Januar 1908 bekam Rosa Luxemburg in ihrer Wohnung in der Cranachstraße 58 in Berlin-Friedenau Besuch von Lenin, der sich auf der Fl...

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