18.05.2018 / Feuilleton / Seite 10

Aus nur einer einzigen Straße Kreuzberger Notizen. Von Eike Stedefeldt

Eike Stedefeldt

Unter glücklicheren Umständen hätte Eva Mamlok am 6. Mai vielleicht ihren Hundertsten gefeiert. Doch die Umstände, sie waren nicht glücklich.

Daran gemahnt seit dem 10. Oktober 2011 ein Stolperstein vor der Neuenburger Straße 1. Einst stand hier das Haus Nummer 4, der letzte bekannte Wohnort der gebürtigen Berlinerin. Am 13. Januar 1942 muss sich Eva Mamlok zum 8. »Osttransport« melden. Von 1.036 in die Waggons gepferchten Juden sind 994 Berliner. Ziel ist das Ghetto Riga. Am 1. Oktober 1944 wird die 26jährige »evakuiert«: westwärts, Richtung Danzig, und am 23. Dezember im KZ Stutthof umgebracht.

Drei Tage ist der Sonderzug unterwegs, den die Reichsbahn am 19. Oktober 1942 am Güterbahnhof Putlitzstraße einsetzt. Eine 1991 von der Berliner Geschichtswerkstatt erstellte Liste deportierter Kreuzberger vermerkt unter den 959 Berlinern jenes 21. »Osttransports« zwei Mieterinnen aus der Neuenburger Straße 3: Rosa Peiser, am 13. September 1885 ebenso in Posen ge...

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