07.04.2018 / Geschichte / Seite 15

Ein Opfer der Hetze

Ostern 1968 wurde Rudi Dutschke in Westberlin niedergeschossen. Rechte Boulevardmedien hatten mehr oder weniger dazu aufgerufen

Gerhard Hanloser

»Ich war so im Hass, ich hatte so eine Wut«, erklärte Josef Bachmann auf die Frage des Richters, warum er am 11. April 1968 auf Rudi Dutschke geschossen habe. Bachmann, ein Gelegenheitsarbeiter aus dem niedersächsischen Peine, hatte seine Stelle als Anstreicher gekündigt, ließ sich seinen ausstehenden Lohn auszahlen und machte sich auf den Weg nach Westberlin. Dort fragte er sich durch. Als er Dutschke schließlich auf dem Kurfürstendamm in der Nähe des Büros des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) entdeckte, feuerte er drei Schüsse auf ihn ab. Dutschke rief in Todesangst nach seinen Eltern. Ein Passant soll kommentiert haben: »Sieh mal an, wenn’s ans Sterben geht, ruft sogar der nach Vater und Mutter.« Die kolportierte hämische Bemerkung verdeutlicht die innere Verhärtung der postfaschistischen Gesellschaft besser als Bachmanns plumpe Beschimpfung, die den ersten Schuss aus dem Revolver begleitete: »Du dreckiges Kommunistenschwein!«

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