23.10.2017 / Feuilleton / Seite 10

Geschont wird niemand

Der erste Band von Virginie Despentes’ »Vernon Subutex«-Trilogie ist auf deutsch erschienen

Michael Saager

Seit Virginie Despentes’ Romantrilogie »Vernon Subutex« über den Abstieg eines ehemaligen Plattenhändlers und den Sumpf der Pariser Großstadtgesellschaft in Frankreich erschienen ist, ist die 1969 in Nancy geborene Schriftstellerin, Feministin, Filmemacherin und – mon Dieu! – ehemalige Pornodarstellerin beinahe so berühmt wie Michel Houellebecq. Hochgradig zynisch wie der biestig schlechtgelaunte Kollege ist Despentes freilich nicht, frauenfeindlich schon gar nicht. Geschont wird trotzdem niemand, Frauen sowenig wie Männer. Verraten und verkauft aber auch nicht.

Im Leben wie in der Literatur äußerst selten und deshalb um so erfrischender sind selbstverständlich die Szenen, Gedanken und Dialoge, in denen Männer aus Frauenperspektive auf eine Weise angeschaut bzw. »ausgezogen« werden wie sonst nur Frauen. Als der frisch aus der Wohnung geflogene Mittvierziger Vernon Subutex aus der Dusche einer alten Freundin kommt, bei der er sich kurz eingenistet hat, den...

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