19.10.2017 / Schwerpunkt / Seite 3

Seidenstraße kritisch beäugt

BRD will anderen EU-Staaten eigene China-Politik aufdrängen. Doch denen sind ­wirtschaftliche Interessen wichtiger als Ideologie

Jörg Kronauer

Michael Clauss sah sich genötigt, etwas klarzustellen. »Wir begrüßen die ›Belt and Road Initiative‹«, das chinesische Riesenprojekt der »Neuen Seidenstraße«, teilte Deutschlands Botschafter in China Anfang Oktober in einem Interview höflich mit. Doch da gebe es leider auch etwas, womit Berlin nicht einverstanden sei: Das Vorhaben sei »ein sinozentrisches Projekt«, es stärke »eine Globalisierung mit chinesischen Zügen«. Das wiederum sei überhaupt nicht im Interesse der Bundesrepublik, konstatierte Clauss: »Wir wollen an der Entwicklung dieses Vorhabens auf gleichberechtigter Grundlage teilnehmen.« Muss der Botschafter des Landes, das die EU inzwischen offen dominiert und das in der Weltpolitik auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten aufzutreten sucht, am Ende gegenüber Beijing fast als Bittsteller auftreten, um an der Neuen Seidenstraße mitwirken zu können? Clauss kriegt gerade noch die Kurve. Im altbekannt fordernden Ton fährt er fort: »Wir erwarten, da...

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