24.08.2017 / Inland / Seite 4

Interpol in der Kritik

Nach Festnahme von Dogan Akhanli in Spanien fordern deutsche Politiker effektivere Kontrolle der internationalen Polizeiplattform

Ulla Jelpke

Nach der vorübergehenden Festnahme des deutsch-türkischen Schriftstellers Dogan Akhanli in Spanien aufgrund eines türkischen Haftbefehls mahnen Politiker aller Parteien in Deutschland eine Reform des Interpol-Systems an. Interpol ist entgegen der Legenden keine Weltpolizei, die mit eigenen Agenten auf Verbrecherjagd geht. Vielmehr handelt es sich bei der 1923 gegründeten Institution mit Sitz in Lyon um einen privatrechtlichen Verein. Nur wenige Staaten – wie Nordkorea und Vanuatu – sind nicht unter den 190 Mitgliedern. Ziel ist die Stärkung der Zusammenarbeit nationaler Polizeibehörden durch Informationsaustausch über Haftbefehle, Fahndungen, vermisste Personen, nicht identifizierte Leichen oder entwendete Pässe. Wie mit einem über Interpol verbreiteten Gesuch verfahren wird, entscheiden allein die nationalen Behörden. Es gibt keinerlei Zwang, eine über Interpol per »Red Notice« zur Festnahme ausgeschriebene Person tatsächlich festzunehmen. In Deutschland...

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