19.06.2017 / Feuilleton / Seite 11

Der Bauer in Bonn

Das Kanzlersein erfassen und ­festhalten, der Rest ist egal: Helmut Kohl ist tot

Jürgen Roth

Helmut Kohl verdanken wir eines der bedeutendsten und komischsten Bücher der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Man verfahre aleatorisch, und man wird zuverlässig auf Passagen stoßen, in denen sich die romantische Ironie wer weiß wie viele Male potenziert und zugleich zerlegt; auf eine Prosa, die bis 1985, als Eckhard Henscheids »Helmut Kohl – Biographie einer Jugend« bei Haffmans erschien, nicht zu lesen gewesen war.

Ich schlage, zufällig, Seite 35 auf: »Der Weltkrieg – er tobte inzwischen weiter. Kohl vernahm damals hin und wieder etwas von Stalingrad, von General Rommel und seinem deutschen Afrikakorps (natürlich verstand Kohl dauernd ›Chor‹ und stellte sich darunter weißgottwas vor: einen Chor von Beduinen, Hottentotten und Tuaregs, so was ähnliches also wie die späteren Fischer-Chöre – dem Verfasser ging das als Kind nicht anders; ein typisches infantiles Mißverständnis halt …). Mit dem Krieg kam Kohl später aber auch noch insofern in Berührung, a...

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