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30.05.2017 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Perspektive kalter Frieden

Ukraine will Bahnverkehr mit Russland einstellen. Moskau lässt Umgehungsstrecke bauen – am Gebiet des feindlichen Nachbarn vorbei

Reinhard Lauterbach

Drei Jahre nach Beginn des Ukraine-Konflikts richten sich beide Seiten offenbar darauf ein, längerfristig nebeneinander und nicht miteinander zu leben. Auf ukrainischer Seite gehen die Abgrenzungsmaßnahmen weiter. Vergangene Woche berichtete die Moskauer Zeitung Kommersant, Kiew wolle noch in diesem Sommer den Bahnpassagierverkehr mit Russland einstellen – angeblich als Vergeltung dafür, dass die russische Eisenbahn einen Regionalzug in den Donbass fahren lasse und damit die Souveränität der Ukraine verletze.

Das stimmt faktisch nicht: Die Grenze zur Russischen Föderation passiert einmal täglich ein Zug der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, kein russischer. Nur wartet in der benachbarten Grenzsta­tion ein Anschlusszug nach Rostow am Don. Die Nachricht von der geplanten Einstellung des Bahnverkehrs wurde in Kiew zwar dementiert; verschiedene Anzeichen lassen diese Dementis aber als wenig glaubwürdig erscheinen.

Erstens ist das Schienenver...

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