29.05.2017 / Schwerpunkt / Seite 3

Isoliert im Lager

Aziz Tunc, Schriftsteller und Widerstandskämpfer gegen die türkische Militärdiktatur 1971, beantragte Asyl in der BRD. Ein Besuch in Hanau

Gitta Düperthal

Ein Flüchtlingslager in der ehemaligen US-Kaserne in Hanau-Wolfgang: Im Hausflur riecht es muffig, die Treppen sind stark verschmutzt. Hier lebt der 60jährige türkische Schriftsteller Aziz Tunc. Seit zehn Monaten lebt er in Deutschland, auf engstem Raum mit einem ihm völlig fremden jungen Mann. Das Zimmer ist ausgestattet mit zwei Blechschränken, zwei Pritschen, Plastikstuhl, Tisch. Darauf ein Notebook – ohne Internetzugang. Aziz Tunc kann es nur als Schreibmaschine verwenden. Will er Texte für Online-Magazine publizieren, wird es kompliziert. 320 Euro erhält er monatlich, aber um Geld geht es ihm nicht.

Die Atmosphäre bedrückt ihn, »schlimmer als im Gefängnis« sei es hier, sagte er vergangene Woche gegenüber junge Welt. Raus könne er zwar – aber wohin soll er gehen? Nur brachliegendes Gewerbegebiet drumherum, keine Nachbarn, kein Café weit und breit. »Könnte ich sicher sein, nur zwei Jahre in der Türkei in den Knast zu müssen, wäre ich lieber dort«, sagt ...

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