26.05.2017 / Feuilleton / Seite 10

Macrons Marsch

Die Lungen brennen, die Schläfen knurren: Arthur Rimbaud wäre die Mentalität des neuen französischen Präsidenten zuwider gewesen

Luisa Maria Schulz

Emmanuel Macron, der neue französische Präsident, hat seine Bewegung umgetauft. »En Marche!« heißt nun »La République en Marche«. Dem Prinzip bleibt er aber treu, nur dass er es jetzt der ganzen Republik aufzwingt. »En Marche!« schallt es quer durch Frankreich, seitdem er am 14. Mai vereidigt wurde. »En Marche!«, eine Aufforderung, die dieselben Anfangsbuchstaben wie ihr Promoter hat, lässt sich auf deutsch wahlweise mit »Vorwärts!«, »In Bewegung!« oder »Marsch!« übersetzen. Das soll wohl einen Aufbruch suggerieren, eine dynamische Energie, die von allen Personalabteilungen so heißgeliebte positive Einstellung.

Schon der Dichter Arthur Rimbaud war dieser Mentalität überdrüssig, in einem Frankreich vor über 100 Jahren. In der »Zeit in der Hölle«, dem Dokument seines Weltekels nach der tumultuösen Trennung von Paul Verlaine, rechnet er mit diesem Spruch ab, der für ihn die Vertreter des Fortschritts und des positiven Denkens verkörpert. »Genug! Hier ist die ...

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