22.04.2017 / Feuilleton / Seite 10

Honecker war nicht Kinski

Tim Mohrs Buch »Stirb nicht im Warteraum der Zukunft« ist ein Ostpunk-Mixtape

Robert Mießner

Hat David Thomas doch recht behalten? Der Pere-Ubu-Sänger bemerkte mehrmals, Punk sei erfunden worden, um Klamotten zu verkaufen. Lässt sich das erweitern, taugt Punk auch zur Hauptstadtwerbung? Die Frage, sie ist ein böser Verdacht, drängt sich auf, wenn man im Vorwort von Tim Mohrs »Stirb nicht im Warteraum der Zukunft. Die ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer« liest: »Was macht das heutige Berlin so einzigartig? Es ist eine Punkrockstadt, eine Punk Rock City.« »Die Punk Rock City«, fügt Mohr hinzu. Sein Buch, ein Ziegelstein von 550 Seiten, gemixt und gebrannt aus Interviews, Stasiakten und der Fachliteratur, will dann aber doch etwas anderes.

Wunschgast Angela D.

Tim Mohr, nordamerikanischer Autor, Journalist und Übersetzer, der unter anderem beim Playboy für Hunter S. Thompson zuständig war und als Ghostwriter für Gil Scott-Heron arbeitete, kam 1992 in das ehemalige Schaufenster des Warschauer Pakts, nach Ostberlin, und lernte die Stadt lieben – ...

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