11.02.2017 / Feuilleton / Seite 10

Da war doch noch was

Kraft und Gestalt der Masse: Ein Dokumentarfilmepos über ­soziale Unruhen in Griechenland und eine etwas blassere Podemos-Chronik (Sektion »Panorama)

Grit Lemke

Kino ist immer politisch, aber tatsächlich finden sich in der Berlinale-Sektion »Panorama« zwei Werke, die genuin politischen Bewegungen direkt und unvermittelt folgen. Wer jetzt erschrickt und denkt, im deutschen Kino finde so etwas statt, kann sich beruhigt wieder schlafen legen. Es ist ein Kanadier, der den Blick auf Griechenland – da war doch noch was? – richtet. Und wie Sylvain L’Espérance das tut, ist über weite Strecken der (insgesamt langen) fast fünf Stunden von »Fighting Through the Night« atemberaubend.

Das titelgebende Gedicht, welches Tassos Livaditis während der Diktatur auf der Gefängnisinsel Makronissos verfasste, gibt mit weiteren Zitaten u.a. von Yannis Ritsos den Ton des Films vor: »A man is in flames / A man lights up the night / Standing at the gate / he lights up the night / They splashed him with gas / and set him on fire / A huge fire already sets / the world ablaze«. Es ist eine Reise durch die Nacht, und sie steht in Flammen.

Zwisc...

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