24.12.2016 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Kolomojskijs Coup

Größte Bank der Ukraine verstaatlicht. Bisheriger Eigentümer verschiebt nicht »­notleidenden« Teil des Kreditportfolios und setzt sich ins Ausland ab

Reinhard Lauterbach

Liebhaber einfacher neoliberaler Schlagworte können derzeit in der Ukraine ins Schwimmen kommen. Das größte Geldhaus des Landes heißt »Privatbank«, ist aber seit dem vergangenen Wochenende zu 100 Prozent staatlich (siehe auch jW vom 20.12.). Um seine Insolvenz zu verhindern, hat die Nationalbank den Laden für eine symbolische Griwna (umgerechnet knapp vier Cent) übernommen und anschließend eine halbe Milliarde frischgedruckte Griwna als Kapitalerhöhung eingebracht. Jetzt darf die Bank wieder so tun, als wäre sie zahlungsfähig. Im kommenden Jahr will der ukrainische Staat die mit Steuergeldern sanierte Bank dann weiterverkaufen. Soweit also eine Commerzbank-Story auf ukrainisch.

Der offizielle Grund für die Nationalisierung der Privatbank war ihre »systemische Bedeutung«, und da ist sogar etwas dran. Das Geldinstitut führt die Girokonten für mehr als die Hälfte der Bürger, kontrolliert 61 Prozent des Kreditgeschäfts mit Privatkunden und besitzt knapp 60 Pro...

Artikel-Länge: 4685 Zeichen

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich

Jetzt die junge Welt abonnieren und Zugriff auf alle Artikel erhalten!

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe